Mittwoch, 5. April 2017

Der dunkle Fluß - Chigozie Obioma [Rezension]





Titel: Der dunkle Fluß
Autor: Chigozie Obioma
Original: The Fishermen
Übersetzer: Nicolai von Schweder-Schreiner 
Verlag: Aufbau
Erschienen: Februar 2015
ISBN: 978-3-351-03592-1
Preis: 19,95 €
Leseprobe
 
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Wir waren Fischer.







Was für eine unglaubliche Familiengeschichte, was für ein Drama. Ich bin wirklich ganz hin und weg von diesem Buch. Chigozie Obioma hat hier eine Geschichte geschrieben, die dramatisch und eindringlich ist. Und mich sprachlos hinterlassen hat.
Die vier Brüder, die hier die Hauptrolle spielen, sind sich eigentlich gar nicht ähnlich und trotzdem familiär tief verbunden. Sie erleben alles zusammen, die zwei älteren führen dabei die zwei jüngeren an. Anfangs konnte ich gar nicht so recht glauben, dass sich aus dieser Familienbande so ein Drama entwickeln konnte und das nur aufgrund eines eigentlich so geringen Auslösers. Bei uns hier in Deutschland würde der Grund für das Drama sogar als lächerlich empfunden werden. Man merkt einfach, dass sich hier dem Leser eine ganz andere Mentalität eröffnet.
Erzählt wird die Geschichte vom jüngsten der vier Brüder, von Benjamin. Anfangs ist er gerade einmal acht Jahre alt, doch die Erzählweise entspricht eindeutig nicht diesem Alter. Warum das so ist, eröffnet sich einem erst am Ende. Da will ich aber nicht vorgreifen. Nur so viel sei geschrieben, es hat mich wirklich berührt. Das Ende war auch etwas unerwartet, aber schließt die Geschichte einfach perfekt ab; und trotzdem fragt man sich, wie es mit der Familie weitergeht. Da hat der Autor den für mich perfekten Abschluss geschrieben, es rundet die Geschichte ab und ist dennoch offen. Man fragt sich auch wirklich nach dem Lesen, was nun wohl noch geschieht, man ist einfach zum Nachdenken angeregt. Ich liebe Bücher, die mich am Ende so hinterlassen!
Die Protagonisten sind, wie schon erwähnt, sehr unterschiedliche Charaktere. Und im Verlauf der Geschichte entwickeln sie sich immer weiter, nicht immer zum Besten. Es ist ehrlich gesagt keine leichte Kost, was hier passieren wird. Und es ist wieder eines dieser Bücher, bei denen ich überlegen muss, wie viel ich euch erzählen kann, ohne zu spoilern. Denn es hat mich so gefesselt, dass ich euch am Liebsten alles erzählen würde und mich unbedingt mit jemandem austauschen will.
Vielleicht schreibe ich einfach noch etwas über Benjamin und seinen Erzählstil: Er liebt Tiere, beobachtet gerne und möchte einmal Veterinär werden. Dadurch vergleicht er seine Brüder und die Situationen mit Tieren. Damit werden die Kapitel eingeleitet und es ist einfach sehr passend. Die Idee gefällt mir nicht nur, sondern wurde eben auch hervorragend umgesetzt. Es ist wirkt nicht aufgesetzt oder albern, sondern sehr natürlich. Man merkt, dass Benjamin ein guter Beobachter ist.
Es scheint anfangs eben unwahrscheinlich, dass die Brüder sich verlieren, aber dennoch entwickelt es sich so. Dass der Vater ans andere Ende des Landes zieht, ist nur der Beginn dieser Veränderung, die sich recht drastisch vollzieht. Letztlich gipfelt es darin, dass der Aberglaube die Brüderliebe übertrifft und zum Zerbrechen bringt. Das alles in diesem „unbekannten“ nigerianischen Milieu zieht den Leser einfach in seinen Bann. Dieser andere Kulturkreis, der andere Glauben und die wortstarke Symbolik des Autors machen dieses Buch zu etwas Besonderem.  







Das Buch bringt einen nach Nigeria und den gesamten kulturellen Umkreis dort. Das mag fremd erscheinen, doch genau das ist es, was euch fesseln wird. Eine dramatische Geschichte gepaart mit dieser wirklich wunderschönen Symbolik macht Der dunkle Fluss mehr als lesenswert.  















Mit "Der dunkle Fluß" hat Chigozie Obioma ein fantastisches Debüt geschrieben! Das Erstlingswerk der 1986 geborenen Autors wurde in 25 Sprachen übersetzt und hat bereits zahlreiche Literaturpreise gewonnen. Er hat es auch auf die Shortlist der Man Booker Prize geschafft.


 





Vier Brüder. Ein Vater, der die Familie verlassen muss. Ein gefährlicher Fluß. Und ein Verbot, das gebrochen wird. Als Benjamin und seine Geschwister ihren Vater enttäuschen und sein Verbot brechen, um am Fluß angeln zu gehen, ist das der Auftakt zu einer Familientragödie. Es fängt alles harmlos an, doch endet tragisch.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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