Sonntag, 3. Juli 2016

[Rezension] Future - Dmitry Glukhovsky






Titel: Future
Autor: Dmitry Glukhovsky
Original:  Будущее
Aus dem Russischen:  M. David Drevs
Verlag: Heyne
Erschienen: Mai 2016
ISBN: 978-3-453-31554-9
Preis: 16,99€
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Dmitry Glukhovsky, geboren 1979, hat internationale Beziehungen in Jerusalem studiert und arbeitete als Journalist unter anderem für Russia Today, Deutsche Welle und Sky News. Mit seinem Debütroman „Metro 2033“ landete er auf Anhieb einen Bestseller. Glukhovsky lebt und arbeitet in Moskau.








Seit die Sterblichkeit überwunden wurde, ist die Erde vollkommen überbevölkert. Ganz Europa ist zu einer einzigen Megapolis aus gigantischen Wohntürmen zusammengewachsen. Nur die Reichen und Mächtigen können sich in den obersten Etagen noch ein unbeschwertes Leben leisten, während die Mehrheit der Bevölkerung auf den niederen Ebenen ein beengtes Dasein fristet. Die Fortpflanzung ist streng reglementiert, und illegale Geburten werden unnachgiebig verfolgt. Als der Polizist Nr. 717 auf den Anführer einer Terrorgruppe angesetzt wird, gerät er in das Netz eines Komplotts, das bis in die höchsten Etagen der Gesellschaft reicht – und das die brutale Ordnung ins Wanken bringen wird.


So ein Lift ist eine großartige Sache.







Mein erster Glukhovsky und ich fand ihn großartig. Future zeichnet sich wirklich durch eine unglaubliche Tiefe aus, einem detaillierten Hintergrund und der Liebe zu den Charakteren.
Ich weiß gar nicht, wo ich jetzt anfangen soll, denn mich hat viel begeistert. Obwohl ich am Anfang eher verwirrt war, weil mit dieser neuen Welt so viele neue Informationen auf einen einstürzt. Was ist 717, was sind die Hintergründe und was ist das überhaupt für eine Welt? Okay, ich hatte noch deutlich mehr Fragen als ihr euch vorstellen könnt, doch das hat sich alles ganz langsam aufgelöst und vor allen Dingen aufgeklärt.
Es gab so viele scheinbar unterschiedliche Fäden und Gedanken, die am Ende dann alle zusammen fanden und in einem, wie ich finde, ziemlich furiosen Schluss zusammen kommen. Mich hat er total begeistert.
717 hat übrigens auch einen normalen Namen, Jan. Und im Laufe des Buches erfährt man so einiges über Jan. Sein Charakter hat eine unglaubliche Tiefe, die man am Anfang nicht einmal erahnen kann. Er gehört zur Phalanx, einer Armee aus Unsterblichen, die eine für uns unvorstellbare grausame Aufgabe ausüben: Sie suchen nach nicht gemeldeten Geburten und sorgen gegebenenfalls für einen Abbruch oder infizieren die Eltern mit Alter. In einer Welt, in der die Unsterblichkeit vorherrscht, ist das natürlich geradezu unvorstellbar und die schlimmste Strafe. Und diesen Gedanken fand ich mehr als beängstigend. Damit ist ein Thema angeschnitten worden, dass ich schon immer nicht erstrebenswert fand: Unsterblichkeit. Und hier auch noch fast alle Menschen, was natürlich zu nicht unerheblichen Schwierigkeiten führt, angefangen mit dem Platzmangel. Dmitry Glukhovsky hat damit nicht nur eine spannende Zukunftsvision erschaffen, sondern in erster Linie eine furchterregende, die auch die Abgründe des menschlichen Wesens ziemlich deutlich macht. Und das hat mich hier besonders beeindruckt.
Neben Jan gibt es natürlich noch andere Charaktere: Jesus, 503, Senator Schreyer und seine Frau und viele mehr. Und jeder einzelne ist nicht nur Nebendarsteller, sondern hat Tiefe und Persönlichkeit bekommen. So macht es Spaß, ein Buch zu lesen, wenn die Figuren einfach leben.
Als Leser weiß man auch lange nicht, was ist gut, was ist böse, da das Buch mit vielen Wendungen und spannenden Überraschungen trumpfen kann. Auch wenn es manchmal doch etwas in die Länge gezogen wurde, ist es ein absolut lesenswertes Zukunftsszenario. Düster, blutig und grausam, aber leider auch sehr zutreffend geschrieben.







Was für ein erschreckende Vision unserer Zukunft. Der Autor besticht nicht nur mit einer äußerst realistisch beschriebenen Zukunft, sondern insbesondere mit der Tiefe der Figuren und der vielschichtigen Story. Absolut lesenswert!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Freitag, 1. Juli 2016

[Rezension] Ein Soufflé zum Verlieben - Noël Balen, Vanessa Barrot






Titel: Ein Soufflé zum Sterben
Autor: Noël Balen, Vanessa Barrot
Aus dem Französischen: Petits meurtres à l'étouffée
Band: Alexandra Baisch
Verlag: btb
Erschienen: April 2016
ISBN: 978-3-442-71386-8
Preis: 8,99€
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Noël Balen ist Schriftsteller und Musiker. Wenn er nicht gerade im Tonstudio oder am Schreibtisch arbeitet, ist sein liebster Ort die Küche, wo er für seine ganze Familie kocht. Gemeinsam mit seiner guten Freundin, der Anwältin Vanessa Barrot, schreibt er passenderweise eine Krimireihe, die in der französischen Gourmetszene spielt und gerade fürs Fernsehen verfilmt wird.
Vanessa Barrot, eigentlich Anwältin aus Paris, trieb die Lust an gutem Essen und guten Kriminalromanen dazu, gemeinsam mit ihrem guten Freund, dem Autor und Musiker Noël Balen, eine Krimireihe zu schreiben, die in der französischen Gourmetszene spielt. Die Serie wird in Frankreich gerade fürs Fernsehen verfilmt.







Lyon, Heimat von Paul Bocuse, Gourmethauptstadt Frankreichs – doch die Welt der Spitzengastronomie kann ein gefährliches Pflaster sein. Das muss auch Laure Grenadier feststellen. Die Chefredakteurin des Pariser Gourmetmagazins Plaisirs de Table reist nach Lyon, um eine Reportage über die berühmten Bouchons vorzubereiten. Die traditionellen Restaurants sind bekannt für ihre vorzügliche regionale Küche und ihre Gastfreundschaft. Doch dann wird der Besitzer des Petit Pouce in der bekannten Rue Saint-Jean kaltblütig ermordet. Ein Schock – schließlich kannte Laure ihn persönlich. Als ein zweiter Wirt stirbt, greift Panik um sich. Wer hat es auf die Bouchons abgesehen?


Die letzten Gäste waren gerade gegangen.







Na ja, zumindest war das Buch appetitanregend. Den Krimi habe ich allerdings über weite Strecken suchen müssen. Dafür kann ich euch sagen, dass Laure Grenadier viel Wert auf Yoga und gesunde Ernährung legt. Zwischendurch kam dann tatsächlich ein bisschen Krimi, ab und an starb auch jemand zwischen den gefühlt seitenlangen Menü-Angaben auf Französisch und dann noch auf Deutsch. Obwohl, ich sollte vielleicht nicht die Belehrungen über die Bouchons Lyons außer Acht lassen. Aber ja, irgendwo dazwischen gab es Tote und ganz am Ende sogar einen Täter.
Aber appetitanregend war es wirklich, obwohl ich manchmal echt das Gefühl hatte, die Speisekarte eines Restaurants zu lesen. Ich weiß gar nicht, was ich noch sagen soll, dieses Buch war wirklich 25% Belehrungen, 25% Speisekarte, 15% Laure muss sich fit halten und 10% Kriminalfall. Dadurch habe ich mich dann doch gelangweilt, auch wenn die Essenskultur Lyons sicher interessant ist.
Zu Laure als Charakter konnte ich auch keine richtige Beziehung aufbauen, da sie einfach recht einseitig bleibt. Sie ist die bekannte, gute und teils gnadenlose Restaurantkritikerin, die nebenbei Yoga macht, um fit zu bleiben. Außerdem kannte sie die Toten und trauert um sie. So. Das wars. Für mich bleibt ihre Persönlichkeit etwas auf der Strecke. Begleitet wird sie von einem Fotografen, der vielleicht etwas mehr Potenzial hätte, aber durch die ganzen Informationen wird auch das nicht genutzt und man erinnert sich sogar noch weniger an ihn nach dem Lesen. Das ist wirklich schade, denn man merkt schon, dass da Gedanken dahinter stecken, aber vielleicht wollten die Autoren einfach zu viel über die Bouchons vermitteln. Da ist die Charakterentwicklung einfach nicht richtig vorhanden.
Anfangs dachte ich mir schon: Oh, das ist aber ein kurzes Buch. Und gemessen an dem wirklichen Romaninhalt ist es viel zu lang. Wenn man jetzt Namen von leckeren Gerichten aneinanderreihen kann, um Autor zu werden: Das kann ich besser. Spaghetti Bolognes, Pizza quattro stagioni, Nudelsuppe, Schokomousse. Andererseits, was mir schon zum Lesen zu öde ist, muss ich auch nicht selbst schreiben. Nur will mir absolut nicht in den Kopf, warum man für dieses Buch auch noch zwei Autoren gebraucht hat.







Von mir gibt es keine Empfehlung für dieses Buch: Es eigenet sich weder als Krimi noch als wirklich Gourmetroman, da muss dann doch etwas mehr her als Essensbezeichnungen. Durchgefallen...







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt