Montag, 30. Mai 2016

[Rezension] Ich habe ihn getötet - Keigo Higashino







Titel: Ich habe ihn getötet
Autor: Keigo Higashino
Original: Watashi go kare
Aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-608-98306-7
Preis: 14,95€
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Keigo Higashino, wurde 1958 in Osaka, Japan, geboren. Nach seinem Ingenieurs-Studium begann der Kapitän einer Bogenschützenmannschaft Kriminalromane zu schreiben. Viele seiner Kriminalromane wurden für Kino und Fernsehen adaptiert und mit Preisen ausgezeichnet. Sein größter Erfolg war »Verdächtige Geliebte«, das sich in seiner Heimat mehr als zwei Millionen Mal verkauft hat. Er lebt zurückgezogen in Tokio.









Auf dem Weg zum Traualtar bricht der Drehbuchautor Makoto tot zusammen. Die Verdächtigen sind sein Manager, der Bruder der Braut und seine Lektorin. Jeder von ihnen behauptet: »Ich habe ihn getötet.« Und Kommissar Kaga steht vor einem schier unlösbaren Rätsel: Ein Mord, drei geständige Verdächtige und kein Hinweis auf den Täter.
Der Drehbuchautor Makoto ist ein skrupelloser Karrierist. Am Abend vor seiner Hochzeit mit der gefeierten Lyrikerin Miwako wird eine Tote im Garten seines Anwesens gefunden. Es ist seine Ex-Freundin, die er für Miwako verlassen hat. Aus Trauer über Makotos gebrochenes Heiratsversprechen hat sie sich vergiftet. Mit Hilfe seines Managers lässt Makoto die Leiche verschwinden. Doch am folgenden Tag bricht Makoto selbst vor dem Traualtar tot zusammen. Der Braut kommt ein fürchterlicher Verdacht: Der Täter muss Makotos Medikamente unbemerkt gegen das Gift ausgetauscht haben, das die Tote bei sich trug. Und dazu hatten nur Makotos engste Freunde Gelegenheit. Verzweifelt schaltet sie Kommissar Kaga ein.


Nachdem ich den hellgrünen Regenmantel, der ganz am Rand hing, vom Bügel genommen hatte, war der Schrank leer.





Ha. Ich muss es gleich vorweg loswerden: Es ist gut für die Welt, dass ich keine Ermittlungen lösen muss, denn... ich konnte den Fall nicht lösen. Trotz Hilfe des Professor. Aber für alle nun Verwirrten von Anfang an: Diese Geschichte ist außergewöhnlich, denn Kommissar Kaga tritt nicht als Erzähler auf. Stattdessen sind die drei Verdächtigen diejenigen, aus deren Sicht man die Geschichte erlebt. Immer wieder abwechselnd erzählen sie was passiert, wobei natürlich nie zu lesen ist, wie der Mord eingefädelt wurde. Man erlebt zwar den Tod des Opfers, aber keine Lösung. Ganz am Ende wird der Fall auch nicht wirklich aufgeklärt, sondern Kommissar Kaga erklärt nur, dass er den Täter kennt und dann, bäm, Ende. Zwar findet sich dort auch noch die Hilfe zum Lösen des Falles, doch es gibt einfach Menschen, die sind nicht dazu geschaffen, so Fälle zu lösen. Ich gehöre dazu. Es ist raus, ich habe es gestanden (und ihr musstet gar nicht erst ermitteln!). Peinlich aber wahr, ich habe zwar eine Vermutung, aber glaube nicht, dass diese richtig ist. Also, ihr kennt meine Mail, ich bin dankbar über jeden Hinweis!
Nichtsdestotrotz ist das Buch wieder einmal fesselnd. Der Weg zum Ende ist hier außergewöhnlich, aber ich fand es sehr spannend, die Gedanken dieser drei Verdächtigen zu verfolgen. Jeder hatte Gründe, das Opfer zu verabscheuen und ehrlich, ich habe für alle Verständnis entwickelt.
Ich denke, dass das Japanische und die Mentalität dieser Menschen nicht jedermanns Sache sind. Aber ich habe ein Faible für andere Kulturen, egal ob asiatisch, afrikanisch oder alienisch, daher lese ich so Romane immer wieder gerne. Hier merkt man schon, dass bei uns ganz anders reagiert werden würde, als die Protagonisten es tun.
Von den Charakteren her fand ich es sehr spannend, da tun sich teilweise Abgründe auf. Sehr irritiert war ich durch die mehr als deutlichen Anzeichen von Inzest. Das habe ich in japanischen Manga auch schon als Thema gehabt, aber jedes Mal wenn ich es erneut lese, bin ich mehr als irritiert. Das war der einzige Teil, an dem ich kein Verständnis entwickeln konnte, obwohl selbst das irgendwie logisch dargestellt wurde. Aber wie ihr merkt, hat mich das durchaus beschäftigt.
Es gibt einen Mord, einen Selbstmord, Abtreibungen, Inzest und somit sind einige der tiefsten menschlichen Abgründe in diesem Buch versammelt. Und das vereint Keigo Higashino so gekonnt und leise, dass es gar nicht sensationslüstern wirkt. Auch nicht übertrieben oder too much. Das ist schon eine Leistung. Außerdem sind es Menschen, wie wir alle. Der eine ist verliebt in eine Frau, die einen anderen liebt. Die nächste Person ist verliebt in einen Mann, der eine andere Frau heiratet. Das sind so normale zwischenmenschliche Beziehungen, die hier zu sehr spannenden Dramen führen. Und dann weiß man letztes Endes einfach nicht, wer der Mörder war. Manche können es mit Hilfe des Professors lösen. Manche eben auch nicht. Aber es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.







Es ist ein absolut faszinierendes Buch, das in aller Ruhe die Abgründe der menschlichen Seele seziert. Allerdings werden Leute, die eine klare Lösung am Ende mögen, hier enttäuscht sein, denn selbst rätseln ist angesagt.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Sonntag, 29. Mai 2016

[Rezension] Scandi Do It Yourself - Astrid Algermissen






Titel: Scandi Do It Yourself
Autor: Astrid Algermissen
Original: Original
Band: Band
Verlag: DVA
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-421-04022-0
Preis: 19,99€
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Astrid Algermissens große Leidenschaft ist das kreative Gestalten. Die gelernte technische Zeichnerin bloggt seit 2012 unter CreativLIVE, wo sie regelmäßig ihre fantasievollen DIY-Ideen präsentiert, die sich großer Beliebtheit erfreuen.







Inspiriert vom skandinavischen Einrichtungsstil zeigt Bloggerin Astrid Algermissen, wie sich Alltagsgegenstände in stylishe Deko-Objekte verwandeln lassen. Alle Ideen sind 100% individuell, leicht und mit Spaß umzusetzen: Dies garantieren bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Skizzen und liebevoll gestaltete Vorlagen. Außerdem werden neue Techniken und Materialien, mit denen sich besondere Effekte erzielen lassen, z.B. Lavendeldruck oder der Umgang mit Freezerpapier, vorgestellt. Die vielfältigen Ausgangsmaterialien – Metall, Glas, Papier, Holz, Stoff/Leder, Kunststoff und Stein – sowie die fantasievolle Inszenierungen der Objekte in ihrem räumlichen Umfeld machen das Buch zu einem einzigartigen praktischen Ideenbuch.


Als ich im Sommer 2012 mit meinem Blog CreativLIVE onlinge gegangen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich selbst mal ein Buch schreiben würde!







Wenn man dieses Buch liest, fühlt man sich zum Einen gleich von dem wunderbaren Design angesprochen und ist zum Anderen inspiriert und angeregt, mal wieder selbst für die Wohnung kreativ zu werden. Scandi Design ist an sich gerade relativ angesagt und ich betrachte die Bilder immer sehr gerne und denke mir jedes Mal: Das ist toll. Oh, das ist auch toll! Und das ist total toll!
Bei diesem Buch hier ging es mir ähnlich, nur dass ich mir da dachte: Boah, das könnte ich machen. Uh, das wäre aber auch was. Oder das da! Das ist also genau das, was wichtig an so einem Kreativ-Buch ist, oder etwa nicht? Man muss sich angesprochen fühlen und Lust darauf kriegen, das ein oder andere nachzumachen. Oder eben selbst aktiv zu werden, vielleicht sogar ein paar Sachen abzuändern, anzupassen und zu verändern. Wenn ich zum Zeitpunkt, als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, Zeit gehabt hätte, ich wäre vermutlich sofort aktiv geworden! Ich war echt inspiriert. Jetzt verschiebe ich das auf den Sommer und freue mich schon drauf, kleine Projekte umsetzen zu können, egal ob originalgetreu aus dem Buch oder eher abgewandelt. Spaß wird es allemal bringen!
Das Buch ist allein schon vom Design her sehr ansprechend, ich mag die klare Farbwahl sehr gerne, die sich nicht nur auf dem Cover, sondern eben auch im Buch durchzieht. Selbst in den Projekten finden sich überwiegend die gleichen Farben wieder, ein Style, der mir sehr zusagt.
Vom Aufbau her gibt es ebenfalls eine klare Gliederung nach Materialien: Ob man mit Glas, Beton, Holz, Papier oder anderen Grundstoffen arbeiten will, man muss nur in den entsprechenden Abschnitt vorblättern und da findet sich sicher ein tolles Projekt. Ich persönlich fand Papier und Stoffe natürlich sehr ansprechend, während ich Beton recht respektvoll gegenüber stehe. Die Projekte darin fand ich klasse, aber es wäre nichts, was ich mir zutrauen würde. Man sieht also, dass jeder hier das Passende findet. Bei den Projekten sind auch Anleitungen dabei, die klar bebildert sind und die man gut nachvollziehen kann. Das Material wird aufgeführt, es gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sowohl schriftlich als auch in Bildform und dann eben noch das vollendete Werk. Und es sieht bei Astrid Algermissen einfach auch alles so einfach und leicht aus, dass man sich sofort rantrauen würde. Im Anhang gibt es noch einmal die Vorlagen sowie einen Link zum Download ebendieser. Wer sich z.B. bei grafischen Schriftzügen nicht so viel zutraut, kann sich hier das Original einfach downloaden und direkt loslegen.






Das Buch macht Spaß und Lust auf mehr. Die Autorin bietet tolle Vorlagen, die jedoch auch so offen sind, dass man kreativ schalten und walten kann und seine eigene Ideen daraus entwickeln kann. Das Ganze wird in einem tollen Design dargeboten und ist daher absolut eine Augenweide!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Freitag, 27. Mai 2016

[Rezension] Was ich euch nicht erzählte - Celeste Ng






Titel: Was ich euch nicht erzählte
Autor: Celeste Ng
Original: Everything I Never Told You
Aus dem Amerikanischen: Brigitte Jakobeit
Verlag: dtv
Erschienen: Mai 2016
ISBN: 978-3-423-28075-4
Preis: 19,90€
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Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden. 'Was ich euch nicht erzählte' ist ihr erster Roman, ein New York Times-Bestseller, der, vielfach prämiert, in 20 Sprachen übersetzt wurde und auch verfilmt wird.








"Lydia ist tot." Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord?
Die Lieblingstochter von James und Marilyn Leewar ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass der gutaussehende Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält?


Lydia ist tot.







Dieses Buch ist kein Thriller. Es soll nicht der Mord an einem jungen Mädchen aufgedeckt werden, nicht ein böswilliger Täter überführt werden, nichts soll gesühnt werden. Stattdessen seziert das Buch die Familie, die Hintergründe, den Weg zu diesem Moment im Leben dieser Menschen. Man lernt die Mutter kennen, woher sie kommt und wie sie in dieser Zeit zu einem chinesischen Ehemann kommt. Man lernt die Schwierigkeiten kennen, die die Kinder haben, die doch halb chinesisch sind. Mit diesem Buch kriecht man praktisch in diese Figuren hinein und lernt sie intensiv kennen.
Ich war fasziniert. Nicht nur ist die Geschichte sprachlich wunderbar und definitiv ein unglaublich herausragendes Erstlingswerk, sondern auch die Psychologie dahinter, die Betrachtung der Protagonisten hat mich gefesselt, hat mich einfach das Buch verschlingen lassen.
Es gibt keine Spannung, keine Action, keine Gewaltszenen, sondern nur reine Emotion und reine Einblicke.
Da ist Marilyn, die Mutter, die ihren eigenen Ehrgeiz nicht erfüllen konnte und ihn auf Lydia übertragen hat. James, der Chinese, der sich hocharbeitet und beim Tod seiner Tochter erstmal kurz auf Abwege kommt. Nathan, der große Bruder, der sich in Anschuldigungen verliert und dabei den Überblick verliert. Und die stille Hannah, Beobachterin ihrer Familie, kleine Schwester und ziemlich einsam - die einzige, die halbwegs den Durchblick in ihren Gefühlen behält. Es sind Figuren, die einem schnell nahe gehen und die einen bewegen. Der Undurchsichtigste blieb für mich Nathan. Er scheint sich in Wut zu verlieren und in einem festen Irrglauben, dadurch kommt man an ihn am Wenigsten ran.
Doch lernt man jeden einzelnen kennen. Nicht nur die Gegenwart wird von der Autorin beleuchtet, auch die Vergangenheit bringt dem Leser die Figuren nahe. Das ist das, was das Buch auch besonders macht und vor allen Dingen kann man dadurch die Charaktere und ihre Handlungen besser verstehen und manchmal auch besser nachempfinden, was sie zu irgendetwas antreibt.
Eigentlich ist es nur eine Skizze aus dem Leben einer Familie in einer äußerst tragischen Situation, doch andererseits ist es auch der Weg dahin.
Übrigens lernt man auch Lydia kennen, durch die Augen der anderen und manchmal auch aus ihren eigenen Augen. Das ist wohl das Besondere daran, denn Lydia spielt in dem Buch ja wohl auch die tragendste Rolle, sie ist der Auslöser für das alles.







Dieses Buch hat mich fasziniert. Hat mich bewegt und berührt und gefesselt. Es bietet einen Einblick in eine Familie, die an einem Abgrund steht. Die Autorin bringt das sehr feinfühlig rüber und... lest es!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Dienstag, 24. Mai 2016

[Cosplay] Ranma-chan

Hallo ihr da draußen!

Nach zahlreichen Interviews, damit das Cosplay nicht ganz wegfällt und weil ich es sonst vermisst hätte, passiert mal wieder bei mir was! Ich hatte ein kleines Shooting mit der wunderbaren -Titania-, die - wie ich finde - richtig tolle Bilder von mir gemacht hat. Es hat viel Spaß gemacht und ich gestehe, dass ich das etwas vermisst habe.
Aber genug der Worte: Seht euch das Ergebnis an. Ich hoffe, es gefällt euch so sehr wie mir ;)







Sonntag, 22. Mai 2016

[Rezension] Water - Paolo Bacigalupi







Titel: Water. Der Kampf beginnt
Autor: Paolo Baicgalupi
Original: The Waterknife
Aus dem Amerikanischen: Wolfgang Müller
Verlag: Blessing
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-89667-530-9
Preis: 19,99€
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Paolo Bacigalupi, geboren 1972 in Colorado, wurde für seine Science-Fiction- und Jugendromane mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hugo Award und dem National Book Award in Young People's Literature. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn im Westen von Colorado.








Der US-amerikanische Südwesten kämpft erbittert um die letzten Wasserreserven und die Rechte am Colorado River. Das Gebiet wird von heftigen Sandstürmen heimgesucht, ganze Millionenstädte verelenden. Wer es sich leisten kann, wohnt in luxuriösen Arkologien, jeder andere ist Hitze, Staub und Nahrungsknappheit ausgesetzt. Kriminalität und Korruption greifen um sich. Angel Velasquez gehört zu einem Spezialeinsatzkommando der Wasserbehörde von Nevada, das die Reservoirs des Bundesstaates verteidigt und notfalls auch mit illegalen Methoden erweitert.

Als das Gerücht aufkommt, dass in Phoenix eine neue Wasserquelle aufgetaucht ist, wird er dort hingeschickt, um zu ermitteln. Dabei trifft er die Journalistin Lucy Monroe, die der Quelle ebenfalls auf der Spur ist. Die beiden werden in einen Strudel aus Verrat und Gewalt hineingezogen, und Angel steht plötzlich im Fadenkreuz seiner eigenen Leute.


Es gab Geschichten, die der Schweiß erzählte.






Für mich ist das Szenario eines der Schlimmsten, das es gibt: Das Wasser wird knapp. Dementsprechend faszinierend fand ich die Idee hinter diesem Buch und war sofort neugierig darauf, wie die Vision des Autors sich wohl darstellt. Kurz gesagt ist sie brutal, beängstigend und noch brutaler. Außerdem kriegt man Durst beim Lesen dieses Buches, wenn man die trockende Hitze der Wüste, die heftigen Sandstürme und den Krieg um die Wasserrechte nachempfindet.

Ich muss sagen, dass ich Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen. Anfangs war es eher schwierig und schleppend und hat mich zumindest nicht wirklich gefesselt. Doch dann kam der Punkt, an dem es so richtig los ging, an dem der Stein endlich zu rollen begann und damit hatte mich Paolo Bacigalupi dann auch gepackt und ich versank so richtig in der Story. Hatte ich mich anfangs durchgekämpft, bin ich dann förmlich durch die Seiten geflogen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Und ich sage euch eins: Gegen Ende war ich dann leicht panisch, es war alles noch so verflochten und es wurden immer weniger Seiten! Zum Glück war es nur ein halb offenes Ende, mehr hätte ich nicht verkraftet.
Im Prinzip gibt es hier drei Protagonisten, deren Stränge mal zusammenlaufen, mal parallel sind und mal völlig entgegengesetzt streben. Doch letztlich führt alles zu einem Ziel und die drei in Interaktion machen es spannend. Dadurch dass es auch drei so unterschiedliche Charaktere sind, die sich aber in ihrer Entschlossenheit doch wieder ähneln, wirkt alles sehr lebendig. Maria ist ein Mädchen, das sich allein durchkämpfen muss und sich gegen die allgegenwärtige Prostitution kämpft. Sie versucht ihr Geld so zu verdienen, doch die Gangs dort machen es ihr nicht leicht. Dann ist da Lucy, Journalistin mit Pulitzerpreis, die das Elend dieser Gegend auf eine eigenartige Weise zu lieben und zu leben scheint, obwohl sie die Chance auf ein gutes und sicheres Leben hätte. Und Angel, der geheimnisvolle Söldner, der von Lucy fasziniert ist. Die drei geraten zusammen und zugleich auch getrennt einer ziemlich haarigen Sache auf die Spuren und müssen sich wirklich durchkämpfen.
Mit kleinen und großen Grausamkeiten wird hier nicht gespart. Die Leiche, mit der die Story so richtig beginnt, wurde geschändet und gefoltert. Das wird vom Autor relativ trocken und eigentlich auch gar nicht so detailliert berichtet, aber gemäß dem Prinzip "weniger ist mehr" habe ich zumindest Gänsehaut gehabt. Ich sag euch eins: Danach habe ich ein einfaches Buch gebraucht, mit Liebe und Kitsch und Happy Ende. Ich bin doch so ein zartes Seelchen.
Aber das Ganze machte es auch spannend, Verfolgungsjagden, Verschwörungen, Betrug, Grausamkeit, Gangleben und Verrat gibt es hier auf praktisch jeder Seite. Anfangs hat man angesichts der Begrifflichkeiten vielleicht Probleme, alles nachzuvollziehen, aber das meiste klärt sich dann im Verlauf des Buches auf und man hat seine Aha-Momente beim Verständnis.







Der schwache Start wird durch ein rasantes Mittelstück und ein chaotisches Ende wieder aufgewogen. Eine grausame und leider durchaus realistische Situation bieten hier einen spannenden Thriller.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt