Montag, 29. Februar 2016

[Rezension] Das Seehaus - Kate Morton





Titel: Das Seehaus
Autor: Kate Morton
Original: The Lake House
Aus dem Englischen: Charlotte Breuer & Norbert Möllemann
Verlag: Diana
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-453-29137-9
Preis: 22,99€
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Kate Morton, geboren 1976, wuchs im australischen Queensland auf, studierte Theaterwissenschaften in London und Englische Literatur in Brisbane. Ihre Romane "Das geheime Spiel", "Der verborgene Garten", "Die fernen Stunden" und "Die verlorenen Spuren" verkauften sich in 38 Ländern insgesamt über zehn Millionen Mal. Auch in Deutschland eroberte sie ein Millionenpublikum, alle Romane sind SPIEGEL-Bestseller. Kate Morton lebt mit ihrer Familie in Australien und England.







Cornwall 1933: Die sechzehnjährige Alice Edevane fiebert dem Höhepunkt des Jahres entgegen, dem prachtvollen Mittsommernachtsfest auf dem herrschaftlichen Landgut ihrer Familie. Noch ahnt niemand, dass sich in dieser Nacht etwas Schreckliches ereignen wird. Ein Unglück, das so groß ist, dass die Familie das Anwesen für immer verlässt.

Siebzig Jahre später stößt Sadie auf das verfallene Haus an einem See. Sie geht den Spuren des Jungen nach, der in jener Nacht verschwunden sein soll. Die Suche nach Antworten führt Sadie tief in die Vergangenheit der Familie Edevane, zu einer verbotenen Liebe und tiefer Schuld …


Es regnete heftig, und der Saum ihres Kleides war schlammverschmiert.







Danke. Das ist die Kate Morton, die ich lesen will. Das Seehaus hat mich einen ganzen Abend beschäftigt und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Dabei war ich doch etwas misstrauisch, nachdem ich den Vorgänger absolut schleppend fand. Ich kann euch nicht einmal eine Rezension dazu verlinken, weil ich das Buch immer noch nicht beendet habe. Aber dieses Buch hier hat mich genau wie die ersten Bücher der Autorin fasziniert.

Es ist eigentlich der ganz klassische Aufbau aus Kate Mortons Büchern: In der Vergangenheit gibt es ein ungelöstes Geheimnis, auf das jemand aus der Gegenwart stößt. Und dieser Jemand hat zugleich mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Der Jemand dieser Geschichte ist Sadie Sparrow (ein super Namenswahl, oder?), ihres Zeichens Polizistin in Zwangsurlaub und einem belastenden Brief im Gepäck. Und das Geheimnis aus der Vergangenheit trägt den Namen Theo, ein kleiner Junge, der während einer rauschenden Party spurlos aus seinem Zimmer verschwindet. Und natürlich findet Sadie in ihrem Zwangsurlaub das Seehaus, den Namensgeber der Geschichte, und ihre beruflich bedingte Neugierde wird geweckt. Wenn man dazu noch Alice, Besitzerin des Hauses sowie renommierte Krimischriftstellerin, nimmt, hat man ein spannendes Setting mit sehr eigenen Figuren.
Die eigenwilligste Figur der Geschichte ist wohl Alice, eine alte Dame, die sich nie gebunden hat, und wohl hervorragende Krimis schreibt - ich würde allein nach den Beschreibungen ihres Protagonisten die Bücher lesen. Zugleich ist sie stur, hat eine großartige Beobachtungsgabe und ist ein sehr nüchterner Charakter. Ihre Erinnerungen geben uns unter anderem einen Blick auf das, was geschehen ist. Im Zusammenspiel mit ihren Schwestern, ihrer Mutter und auch ihrem Vater gibt sie uns als Leser immer wieder Rückblenden auf das Leben in den 30ern. Das fand ich immer wieder spannend, vor allen Dingen, wenn dann auch von dem Fest oder kleineren Familienfesten gesprochen wird. Doch auch die Momente nach dem Verschwinden des kleinen Theos erleben wir durch ihre Augen und ich muss sagen... da kriegt man doch die verschiedensten Theorien.
Viele Theorien hat auch Sadie und doch sind letztendlich die meisten davon natürlich falsch. Ich als Leserin kam auch nicht schneller auf das Ergebnis und war immer an ihrer Seite. Allgemein ist Sadie eigentlich DER Charakter für uns als Leser, auch wenn in den Rückblenden unterschiedliche Personen erzählen. Dennoch stoßen wir mit ihr zusammen auf den Fall und die Hinweise und raten mit ihr zusammen, was da passiert ist. Genauso sehr bleibt man aber auch im Dunkeln, was ihre Vergangenheit angeht. Man kriegt zwar relativ schnell mit, das da was passiert ist, doch die Hintergründe eröffnen sich erst sehr spät. Aber ich mochte Sadie dennoch sehr, denn ihre verzweifelte Ablenkung durch die Suche nach der Falllösung ist verständlich und menschlich. Und ihre Beziehung zu ihrem Großvater war einfach sehr sympathisch und so selbstverständlich. Das fand ich einfach schön zu lesen. Sie und Alice haben auch Gemeinsamkeiten, beide sind stur und beharrlich und ähneln sich irgendwie, daher war ich dann gespannt, wie die beiden interagieren.
Natürlich gibt es noch mehr Charaktere, z.B. den zukünftigen Partner für Sadie, das hat zu den wenigen vorhersehbaren Punkten gehört, was aber dem Ganzen keinen Abbruch tat.

Allgemein bleibt die Spannung durchgehend hoch. Jedes Mal, wenn ich eine Theorie hatte, wurde sie verworfen - und ich hatte noch einige mehr Ideen als Sadie! Dann kam eine neue Rückblende, die meine Gedankengänge zurückgeworfen hat. Und dann ging es wieder von vorne los. Das hat einfach Spaß gemacht. Rätsel raten ohne massig Blut, so mag ich Krimis!
Hinzu kommen die Beschreibungen, die Kate Morton immer wieder liefert: Da sehe ich doch jedes Mal die Landschaft vor mir. Und eines kann ich euch sagen: Nach diesem Buch will ich mal nach Cornwall. Aber bitte ohne eine Entführung/einen Mord aufklären zu müssen. Mir würde ein normaler Urlaub reichen.
Die Darstellung der Figuren ist wieder einmal sehr lebendig gelungen, man kann die Charaktere vor sich sehen, selbst eher unwichtige Figuren, wie z.B. Alastair. Das lebendige Setting, ob Ort oder Figur, schätze ich an den Romanen von Kate Morton immer wieder sehr. Das gilt auch für ihren Stil. Sie beschreibt und man lebt es mit. 






Nachdem ich von ihrem letzten Buch wirklich nicht überzeugt war, habe ich Das Seehaus wieder verschlungen. Tolle Charaktere, tolles Setting und immer wieder Wendungen, die ich echt nicht vorhergesehen habe.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Samstag, 27. Februar 2016

[Rezension] Masterminds. Im Auge der Macht - Gordon Korman






Titel: Masterminds. Im Auge der Macht.
Autor: Gordon Korman
Original: Masterminds
Band: 1
Verlag: Gulliver
Erschienen: Februar 2016
ISBN: 978-3-407-74594-1
Preis: 12,95€
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Gordon Korman, geb. 1963 in Kanada, schrieb seinen ersten Roman bereits im Alter von 12 Jahren. Mittlerweile hat er zahlreiche Bücher für Jugendliche und Erwachsene geschrieben, die in 14 Sprachen übersetzt wurden . Er lebt mit seiner Familie in Long Island, New York.







Serenity in New Mexico: 185 Einwohner, keine Kriminalität, Arbeit für jeden, die perfekte Idylle!
Eli kann sich nicht vorstellen, jemals irgendwo anders zu leben. Bis zu dem Tag, als er die Stadtgrenze überquert und aus heiterem Himmel unter Schmerzen zusammenbricht. Wer hindert Eli daran, die Stadt zu verlassen und wieso? Serenity entpuppt sich als perfides Gefängnis und Eli und seinen Freunden wird klar: Sie schweben in Lebensgefahr ...


Die Chancen standen eins zu einer Million und... Treffer versenkt!







Okay. Okayyy. OKAY! Nicht okay. Absolut nicht okay, denn Band 2 ist auf Deutsch noch nicht mal angekündigt und auf Englisch gerade erst erschienen. Ich nehme mal an, ihr erkennt, was das heißt? Ich will mehr! Dieses Buch ist nicht nur ein absoluter Pageturner, sondern auch ein absoluter Bookturner... der zweite Band wird von dieser Leserin also wirklich sehnsüchtig erwartet.
Nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, war ich neugierig auf das Buch, konnte mir aber nicht vorstellen, was mich erwahnt. Das Konzept der perfekten Stadt Serenity hat mich fasziniert. Dann kam noch das Stichwort Klone dazu und - na klar - ich wollte Masterminds lesen.
Jetzt, nachdem ich den ersten Band gelesen habe, will (ja WILL!) ich unbedingt die Fortsetzung lesen. Je weiter ich kam, je weniger Seiten übrig blieben, desto klarer wurde mir: Meine Neugierde wird nicht befriedigt.
Also, worum geht es hier: eine perfekte Stadt ohne Verbrechen, Jugendliche, die etwas Besonderes sind und ein Geheimnis, das langsam ans Licht kommt. Gordon Korman hat diese wenigen Komponenten in ein mitreißendes Jugendbuch verwandelt. Man liest aus der Sicht der verschiedenen Jugendlichen, das heißt bei jedem kommt auch einfach ein anderer Charakter zum Tragen. Das macht die Geschichte noch vielfältiger und man hat schlicht und ergreifend auch unterschiedliche Sichtweisen. Da ist zum Beispiel die fleißige Amber, die ihr Leben in Serenity liebt und sich mit To-Do-Listen organisiert. Das komplette Gegenteil dazu bildet Malik, der aus dem Friede-Freude-Eierkuchen-Leben raus möchte und von New York träumt. Jede dieser Figuren hat eine Persönlichkeit, was das Buch noch lesenswerter macht. Oft sind, gerade in Jugendbüchern, die Figuren nicht nur extrem stereotyp, sondern auch noch langweilig. Auch Masterminds bedient sich natürlich der klassischen Stereotypen, dennoch bleiben die Figuren spannend und lebendig.
Es ist einfach unvorstellbar, dass es eine Stadt gibt, in der es keinerlei Kriminalität gibt, oder? Das ist es auch einfach, was mich so fasziniert hat. Die Klone dazu waren definitiv interessant, doch schon bevor ich diesen Teil gelesen hatte, war ich einfach gefesselt. Ein perfektes Leben in einer perfekten Stadt voller Ehrlichkeit? Während des Lesens war ich hin und her gerissen, ob ich das fantastisch oder beängstigend finden soll. Damit hat der Autor also nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch noch eine ziemlich interessante gesellschaftskritische Frage gestellt. Ich persönlich habe insbesondere auch am Ende der Geschichte viele Fragen gehabt, die ich unglaublich interessat finde. Lest es selbst, ich finde, da kann man einfach unglaublich gut diskutieren... Moralisch genauso spannend wie inhaltlich!







Absolut herausragendes Jugendbuch, dessen Fortsetzung hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lässt! Neben lebendigen Charakteren bietet das Buch insbesondere gegen Ende jede Menge spannende Diskussionsfragen.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an Beltz und Gelberg sowie Blogg dein Buch.

Donnerstag, 25. Februar 2016

[Rezension] Der Trick - Emanuel Bergmann






Titel: Der Trick
Autor: Emanuel Bergmann
Verlag: Diogenes
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-257-86282-9
Preis: 22,00€
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Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Derzeit unterrichtet er Deutsch, übersetzt Bücher und schreibt Artikel für diverse deutsche Medien. ›Der Trick‹ ist sein erster Roman.








Einst war er der »Große Zabbatini«, der 1939 in Berlin als Bühnenzauberer Erfolge feierte, heute ist er ein mürrischer alter Mann in Los Angeles, der den Glauben an die Magie des Lebens verloren hat. Bis ihn ein kleiner Junge aufsucht, der mit Zauberei die Scheidung seiner Eltern verhindern will. Ein bewegender und aberwitziger Roman über verlorene und wiedergewonnene Illusionen.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebte in Prag ein Mann namens Laibl Goldenhirsch.






Was habe ich am Schluss geheult. Das Buch an sich war schon herausragend, aber das Ende... das war einfach nur: Wow. Taschentuch-Wow.
In diesem Buch vermischen sich zwei Geschichten, die des großen Zabbatini, und die von dem kleinen Max Cohn. Zabbatinis Geschichte spielt im Deutschland während der Hitlerzeit, während Max im Jahr 2007 in Amerika lebt. Beide Geschichten verweben sich während des Buches immer mehr miteinander. Max' Eltern lassen sich nämlich scheiden und nun soll Zabbatini, der mittlerweile ebenfalls in L.A. lebt, soll ihm helfen, indem er einen Liebeszauber ausspricht. Das ist die Geschichte der Gegenwart, aber wir lernen eben auch den alten Zabbatini kennen, den voller Hoffnung und Träumen und Liebe. Das Berührende in seiner Vergangenheit: Er ist Jude. Das ist seine Geschichte und die ist absolut lesenswert von Emanuel Bergmann verfasst worden.
Zabbatini ist der wohl interessanteste Charakter dieser Geschichte. Der Mann aus 2007 ist garstig, einsam, pleite und ziemlich auf Frauen fixiert. Der aus der Vergangenheit ist voller Hoffnung und einfach nur von Magie fasziniert. Zudem ist er ziemlich verliebt. Der Kreis zwischen den beiden Zabbatinis schließt Bergmann am Ende nicht nur sehr schlüssig, sondern auch sehr bewegend.
Magie ist natürlich das große Thema in diesem Buch, genauer gesagt der Mentalismus ist es, den der große Zabbatini ausübt. Ich finde ja, dass Der Trick einem Lust auf Magie macht. Gerade durch den kleinen Max erkennt man wieder, welche Faszination die Bühnenzauberer auf einen ausgewirkt haben. Das hat mich begeistert. Und ich kam mir manchmal doch wieder vor wie ein Kind, wenn die Zaubertricks beschrieben wurden, denn die Vorstellung davon hat mich begeistert.
Genauso wie Max begeistert ist, als er die Platte von Zabbatini entdeckt. Allgemein ist Max ein wunderbarer Charakter. Der Autor bringt diesen kleinen Kerl, der von der Scheidung seiner Eltern überrumpelt wird, wirklich hervorragend rüber. Den Zwiespalt und die Angst, schuld zu sein, und den Wunsch, seine Eltern wieder zusammenzubringen.
Ich mochte beide Erzählstränge sehr gerne und wenn sie dann zusammenfinden... ja, da war ich hin und weg. Noch dazu werden einfach zwei ernste Themen in einer wunderschönen Geschichte behandelt: Das Gefühlsleben eines Kindes nach der Scheidung sowie die Geschichte eines Judens während der Hitlerzeit. 






Wenn ihr euch mal wieder der Magie des Mentalismus hingeben wollt oder zwei schwierig Themen wunderbar aufgearbeitet lesen wollt, seid ihr hier genau richtig. Ich kann das Buch nur empfehlen und rate euch: Haltet die Taschentücher bereit, gerade am Ende werdet ihr sie brauchen!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Mittwoch, 24. Februar 2016

[Rezension] Vom Ende der Einsamkeit - Benedict Wells






Titel: Vom Ende der Einsamkeit
Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes
Erschienen: Februar 2016
ISBN: 798-3-257-86285-0
Preis: 22,-
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Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Im Alter von sechs Jahren begann seine Reise durch drei bayerische Internate. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vielbeachtetes Debüt ›Becks letzter Sommer‹ erschien 2008, wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und 2015 fürs Kino verfilmt. Sein dritter Roman ›Fast genial‹ stand monatelang auf der Bestsellerliste. Nach Jahren in Barcelona lebt Wells inzwischen wieder in Berlin.







Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.


Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.







Einsamkeit ist ein Thema, das wir immer und immer wieder in Büchern lesen werden und Einsamkeit ist ein Gefühl, das doch schon jeder von uns erfahren hat. Aber selten wurde Einsamkeit so schlicht und ergreifend geschrieben wie in diesem Buch.
Jules und seine zwei Geschwister haben schon früh ihre Eltern durch einen Autounfall verloren und wuchsen in einem Internat auf. Es sind drei völlig unterschiedliche Charaktere, die auch so auf diesen Verlust reagieren. Liz und Marty, die beiden älteren, lernen wir nur durch den Ich-Erzähler Jules kennen. Und schon dessen erster Satz hat mich berührt.
Dieses Buch spult einen ziemlich langen Zeitraum ab, beginnt jedoch in der Gegenwart, nach einem Unfall, der Jules fast den Tod gebracht hätte. Dann aber nimmt er uns mit und erzählt Szenen aus seinem Leben, beginnend schon in der Zeit als seine Eltern noch leben. Danach führt Jules uns durch sein ganzes Leben bis zu dem Moment im Krankenhaus. Wir erleben Szenen, die sein Leben prägen, die ihn und auch seine Geschwister prägen. Dadurch, dass es nur so Ausschnitte sind, hat man das Gefühl, von Jules in etwas eingeweiht zu werden. Das Buch wirkt viel intimer. Denn wer würde jemandem schon sein ganzes Leben von A bis Z erzählen? Durch diese Szenen, diese Augenblicken kommt man dem Protagonisten viel näher, als ob er ein guter Freund wäre.
Doch nicht nur die Familie und ihre Probleme angesichts des Todes spielen hier eine Rolle, Vom Ende der Einsamkeit ist zugleich eine bezaubernde Liebesgeschichte, die einem ans Herz geht. Indirekt hat man sogar drei dieser Liebesgeschichten, völlig unterschiedlich, aber jede berührend. Ich könnte euch nicht verraten, selbst wenn ich wollte, wer mich mehr berührt hat.
Jules ist unser Hauptcharakter. Auch wenn er durch manche Szenen seine Geschwister in den Vordergrund rückt, ist er die Person, die wir durch Höhen und viele Tiefen begleiten. Ich empfand ihn als grüblerisch, als nachdenklich, als jemand, der nur schwer zu sich findet, und der sein Lebensziel noch nicht gefunden hat. Zugleich ist er auch einsam und das geht so tief, dass es in manchen Szenen schon weh tut. Aber Jules ist auch eine Person, in der man sich leicht wiederfinden kann und in die man sich leicht einfinden kann.
Marty ist der scheinbare Außenseiter, der nicht reinzupassen scheint, anfangs, in der Jugendzeit, nicht einmal in seinen Körper. Er und Jules haben bis auf die Eltern nichts gemeinsam. Er ist ein Eigenbrötler, ein Tüftler und hat klare Ziele vor Augen. Das bildet gegenüber dem fast schon antriebslosen Jules einen starken Gegensatz. Doch diese Unterschiede machen auch ihre Beziehung als Brüder aus. Ich las unglaublich gerne, wie sie direkt nach dem Unfalltod der Eltern auseinander gingen und sich im Laufe der Geschichte wieder aufeinander zu bewegten.
Die lauteste Figur in diesem Buch ist ein eindeutig Liz. Mal weiß sie, was sie will, mal auch wieder nicht. Da ist ein wilder Hunger in ihr, der sie nicht ruhen lässt, und der sie doch auch zerstört. Sie war wohl die Unnahbarste und die, in die man sich am Wenigstens einfühlen kann. Ein Mensch, der in Mittelpunkt steht, schön und beliebt ist, aber dem das nicht reicht.
Man sieht also, dass jede Figur für sich schon für einen Roman an Beschreibungen reichen würde. Ich würde euch am Liebsten noch so viel mehr erzählen, weil ich alle ins Herz geschlossen habe, auch Alva und insbesondere den Brenner, Anton... doch dann wäre da ja gar keine Überraschung mehr für euch beim Lesen!
Die Geschichte an sich ist schlicht, das habt ihr ja schon oben gesehen. Doch der Aufbau macht sie zu etwas Besonderem. Dieser Aufbau in die kleinen Augenblicke, die man mit erlebt, lässt einen das Buch verschlingen. Ich muss sagen, ich habe gar nicht gemerkt, wie sehr ich in dieser Geschichte drin war, bis am Ende die Tränen einfach so liefen, ohne dass ich dachte: Oh Gott, wie furchtbar/dramatisch/traurig/schön/wundervoll (tja, findet raus, was davon es nun war ;)).
Das klingt jetzt kitschig, aber erst in diesem Moment wurde mir bewusst, wie sehr mich diese Figuren und diese Geschichte emotional bewegt und berührt hat. Denn es ist eine stille Geschichte, die in ihrer Schlichtheit und mit wunderschönen Sätzen berührt. Benedict Wells' Stil hat mein Herz berührt.






Wundervoll, bewegend, anrührend und wahr. Vom Ende der Einsamkeit erzählt von drei unterschiedlichen Geschwistern, die doch eines gemeinsam haben: Sie sind allein und einsam. Absolutes Herzensbuch.







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Mittwoch, 17. Februar 2016

[Rezension] Percy Jackson erzählt griechische Göttersagen - Rick Riordan






Titel: Percy Jackson erzählt griechische Sagen
Autor: Rick Riordan
Original: Percy Jackson's Greek Gods
Aus dem Englischen: Gabriele Haefs
Verlag: Carlsen
Erschienen: Januar 2016
ISBN: 978-3-551-55661-5
Preis: 16,99€
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Rick Riordan war viele Jahre lang Lehrer für Englisch und Geschichte. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Boston und widmet sich inzwischen ausschließlich dem Schreiben. Seine Percy-Jackson-Serie hat den Buchmarkt im Sturm erobert und ist in 40 Länder verkauft worden. Auch seine nachfolgenden Serien, »Die Kane-Chroniken« und »Helden des Olymp«, schafften auf Anhieb den Sprung auf die internationalen Bestsellerlisten.







Wer könnte die griechischen Göttersagen besser nacherzählen als der Sohn des Poseidon höchstpersönlich? Percy Jackson haucht den alten Klassikern turbulentes Leben ein und gibt ganz neue Einblicke in den Alltag auf dem Olymp. Mit einem Augenzwinkern berichtet er unter anderem davon, wie Athene ein Taschentuch adoptiert, Persephone ihren Stalker heiratet und Zeus sie alle umbringt. Ein urkomisches Leseerlebnis für jeden, der Spaß an griechischer Mythologie hat – und für alle anderen garantiert auch!


Ich hoffe, ich bekomme hierfür ein extradickes Lob.







Percy Jackson. Eine meiner ewigen Buch-Lieben, die ja leider eigentlich zu Ende ist. Daher war ich total neugierig und erfreut, als ich hörte, dass dieses Buch erschienen ist. Griechische Göttersagen und Percy Jackson? Perfekte Kombination!
Der Inhalt ist leicht erzählt: Unser aller Lieblings-Halbgott erzählt uns die Sagen, die sich rund um seine göttliche Verwandtschaft ranken. Ich habe schon viele unterschiedliche Sagen zum griechischen und auch römischen Götterpantheon gelesen, aber natürlich war keine davon so humorvoll wie diese hier. Das war ja auch immer einer der schönsten Sachen an der Reihe rund um Percy Jackson, der trockene Humor.
Natürlich geht es hier rund um die Hauptgötter und beginnt mit der Entstehung der Welt und Griechenlands. Danach gibt es einzelne Kapitel rund um die Götter, in denen verschiedene Sagen zusammengefasst werden. Die Götter sind nicht wirklich nette... äh... Nicht-Menschen, Götter.
Was soll ich noch sagen? Percy erzählt also, was die Götter so in ihren Anfängen gemacht haben und von ihren Affären und Beziehungen (wobei es natürlich deutlich mehr Affären als Beziehungen sind!). Zwischendurch lockert er noch mit einem Kommentar auf. Oder streut Hinweise auf die zehn Bücher rund um ihn und die Helden des Olymps. Da kommt dann wieder der Moment, in dem man "Ach natürlich!" oder "Das macht Sinn!" denkt. Und dann kommt der Moment, in dem man einfach nur die anderen Bücher wieder lesen will. Sofort.
Rick Riordan hat hier einfach eine Kultreihe geschaffen und kann mit dieser nun den jungen Lesern auch die Mythenwelt der alten Griechen nähen bringen.







Für Percy-Jackson-Fans ist dieses kleine Gimmick natürlich ein absolutes Muss! Ich persönlich habe mich bestens amüsiert und bin wieder total im Flash drin!

http://gochimiko.blogspot.de/2015/01/rezension-das-haus-des-hades-rick.htmlhttp://gochimiko.blogspot.de/2014/09/kommentar-der-verschwundene-halbgott.html








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