Sonntag, 31. Januar 2016

[Rezension] Der große Gatsby - F. Scott Fitzgerald

http://gochimiko.blogspot.de/2015/12/aktion-2016-das-jahr-der-klassiker.html





Titel: Der große Gatsby
Autor: F. Scott Fitzgerald
Original: The Great Gatsby
Aus dem Amerikanischen: Bettina Abarbanell
Verlag: Diogenes
Erschienen: 2006
ISBN: 978-3-257-23692-7
Preis: 9,90€

 
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F. Scott Fitzgerald, 1896 in St. Paul (Minnesota) geboren, hatte nach den Studienjahren in Princeton mit 24 Jahren sein Ziel erreicht: Sein erster Roman ›Diesseits vom Paradies‹ machte ihn auf einen Schlag berühmt und reich, mit seiner Frau Zelda stand Fitzgerald im Mittelpunkt von Glanz und Glimmer. ›Der große Gatsby‹, sein heute meistgelesenes Buch, war jedoch ein finanzieller Flop. Alles endete im schrecklichen Kater der Wirtschaftskrise. Alkohol, Zank und Geldprobleme zerstörten die Ehe mit Zelda. Um Geld zu verdienen, ging Fitzgerald 1937 als Drehbuchautor nach Hollywood, wo er 1940 starb.







New York 1922. Auf seinem Anwesen in Long Island gibt Jay Gatsby sagenhafte Feste. Er hofft, mit seinem neuerworbenen Reichtum, mit Swing und Champagner seine verlorene Liebe zurückzugewinnen. Zu spät merkt er, dass er sich von einer romantischen Illusion hat verführen lassen.


Als ich noch jünger und verwundbarer war, gab mein Vater mir einmal einen Rat, der mir bis heute im Kopf herumgeht.






Der große Gatsby war auch immer eines dieser Bücher, bei denen ich mir dachte: Ja, eigentlich wäre das ja schon mal lesenswert. Aber wie es bei diesen Klassikern so ist, man schiebt den Gedanken daran zur Seite und greift dann prompt wieder zu einem aktuelleren Buch. Immerhin sind die Klassiker schon eine Weile da und werden auch noch eine Weile da sein. Aus diesem Grund stand das Buch aber nun angesichts meiner Klassiker-Challenge ganz oben auf meiner Liste, das bot sich ja auch perfekt an, oder?

Die Geschichte ist inhaltlich noch so aktuell wie zur Zeit des Entstehens: Mann verliebt sich, es klappt aus dem ein oder anderen Grund nicht, Frau heiratet einen anderen, Mann verliert sich in Arbeit und schließlich Reichtum und Partys. Gerade heute in einer Zeit, in der die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer ist und es geradezu unvorstellbar große, teure und außergewöhnliche Partys gibt, würde sich Gatsby doch auch ziemlich gut machen, nicht wahr?
Was ich sehr spannend fand, war die Sicht auf die Dinge, denn es nicht der große Jay Gatsby, der den Leser durch das Buch führt. Nein, stattdessen erzählt mit Nick Carraway ein Mann, der auf seine Ehrlichkeit pocht und einen sehr klaren Blick auf die Dinge hat. Das will nicht heißen, dass er neutral erzählt, das kann auch gar nicht sein, solange ein Mensch als Ich-Erzähler gewählt wird, aber seine Beschreibungen zeugen von einer guten Beobachtungsgabe. Als Nachbar in einem kleinen Haus, das an Gatsbys Grundstück grenzt, hat er zum Einen einen guten Posten, hinzu kommt aber auch der familiäre Hintergrund, der ihn für seinen reichen Nachbarn so wichtig macht. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Nick fast schon unauffällig eine wichtige Position in Gatsbys Leben einnimmt. Und eines ist sicher, darüber könnte ich einen Roman schreiben, der vermutlich mehr Seiten als das Buch an sich hätte, also zurück zum Werk.
Neben Gatsby und Nick spielen vor allen Dingen Tom und Daisy Buchanan noch eine große Rolle. Ein Ehepaar mit Kind, Streitereien und Glück im Leben, also von allem etwas. Bis Gatsby sich durch Nick in die Familie bringen lässt, um Daisy wieder zu sehen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, was ich von Daisy halten soll. Sie scheint flatterhaft und nicht sehr intelligent, hat aber auch andere Momente. Sie bleibt mir etwas rätselhaft, aber passt doch sowohl zu ihrem Ehemann als auch zu Gatsby.
Es ist dieses Spiel zwischen den Charakteren, was dieses Buch so lesenswert macht. Und es ist nicht ohne Grund einer der größten Klassiker der Geschichte. Ich bereue fast schon, dass ich es solange nicht gelesen habe, aber besser spät als nie.
Ich muss sagen: Ich fand das Ganze an sich wirklich fantastisch, aber es waren die letzten Seiten, die mich geflasht haben, die mich berührt haben und gefesselt haben. Da übermannten mich irgendwie die Gefühle. Es lohnt sich also wirklich, bis zum Ende zu lesen, denn da kommt man Gatsby noch einmal so viel intensiver näher. Das war es, genau das, was mich diese Seiten hat verschlingen lassen! Die Intensität! Da war ich einfach nur noch gebannt.







Der große Gatsby. In einem kleinen Fazit? Herausragend, nicht ohne Grund ein Klassiker und mit einer unglaublichen Intensität am Ende. Ich war hin und weg. (Und ja, ich habe mich kurz gefasst, doch man könnte noch so viel mehr schreiben!)







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Donnerstag, 28. Januar 2016

[Rezension] Mit Liebe gewürzt - Mary Kay Andrews





Titel: Mit Liebe gewürzt
Autor: Mary Kay Andrews
Original: Deep Dish
Aus dem Englischen: Lena Kraus
Verlag: S.Fischer
Erschienen: Januar 2016
ISBN: 978-3-596-03196-2
Preis: 9,99€
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Mary Kay Andrews wuchs in Florida, USA, auf und lebt mit ihrer Familie in Atlanta. Im Sommer zieht es sie zu ihrem liebevoll restaurierten Ferienhaus auf Tybee Island, einer wunderschönen Insel vor der Küste Georgias. Seit ihrem Bestseller ›Die Sommerfrauen‹ schreibt sie Jahr für Jahr einen wunderbaren Sommerbestseller und gilt als Garantin für die perfekte Urlaubslektüre.







Gina Foxton hat sich gerade als Fernsehköchin eines regionalen Senders einen Namen gemacht, als ihre Welt zusammenbricht. Erst erwischt sie ihren Produzenten und Lebenspartner in flagranti, dann eröffnet ihr dieser, dass ihre Sendung abgesetzt werden soll.
Nicht mit ihr! Mit Tränen in den Augen beschließt Gina, dass sie es jetzt erst recht allen beweisen muss. Sie will den Sprung ins nationale Fernsehen wagen. Dafür muss sie jedoch an Tate Moody vorbei, der die Kochszene mit genialen Rezepten, seiner frischen Art und einem sexy Lächeln dominiert. Dem Angeber werde ich es zeigen, denkt Gina und nimmt die Herausforderung zu einem Kochwettbewerb der Superlative an. Wenn sie nur nicht bei jeder Begegnung mit Tate den Kopf verlieren und die falschen Zutaten in den Kochtopf schütten würde …






Noch eine Woche.






Mit Liebe gewürzt. Mit Neugierde gelesen. Mit Unzufriedenheit beendet. 

Ich lese Mary Kay Andrews gerne, in der Regel. Vielleicht hätte ich ihr Buch nicht unbedingt auf Worte in meiner Hand lesen sollen, doch ich war einfach nicht wirklich zu 100% überzeugt am Ende des Buches. Dabei haben die Zutaten mich hier sofort überzeugt, dass ich das Buch lesen will: zwei unterschiedliche Köche, die gegeneinander kochen und sich dabei näher kommen. Eigentlich eine schöne Situation, natürlich nicht vollkommen neu und die Idee, aber eine mehr als solide Grundlage, die einfach Spaß machen kann. Woran liegt es nun, dass das hier nicht der Fall war? Ganz klar, bei mir liegt es an den Charakteren. Es prickelt einfach nicht, nicht zwischen Gina und Tate, nicht zwischen Gina, Tate und mir.
Doch was ist das Problem zwischen uns dreien - immerhin funktionieren so Dreiecksbeziehungen sonst hervorragend? Mein Problem ist es, dass es bei der Sympathie nicht direkt klick gemacht hat. Regina (übrigens ein sehr schöner Vorname, der in Büchern viel zu selten vorkommt ;)) ist Fernsehköchin, die von ihrem Freund nicht nur betrogen, sondern auch verbogen wird. Dass sie einfach ihren Kleidungsstil verändert, sich ihre Haar färben lässt und einen auf supersexy macht, nur um die Wünsche ihres Freund-Produzenten zu erfüllen, ist nicht das Bild einer starken Frau. Natürlich verändert sich das im Buch, doch dadurch konnte ich nicht direkt den "Kontakt" zu ihr aufbauen... Himmel, das klingt echt esoterisch, aber es ist einfach so. Gina ist ein netter Charakter, aber mehr auch nicht. Außerdem hatte ich nur bei ihr, sondern auch bei ihrem Gegner Tate das Gefühl, dass da der Tiefgang fehlt. Das zeigt sich allein in der familiären Situation: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Tate ein einziges Mal seine Familie erwähnt, sonst ist da nichts. Und bei Gina lebt zwar die kleinere Schwester, doch so wirklich anheimelnd wirkt es nicht. Die Darstellung ihrer Mutter ist genauso oberflächlich. Ich mag gerade bei so Geschichten den Zusammenhalt der Familie und bei dem Wettkampf hätte doch familiäre Unterstützung auch gut gepasst.
Für mich sind die Charaktere so weit etwas lieblos gestaltet, insbesondere, was den Hintergrund angeht. Aber es war ja nicht alles nur negativ, ich muss mal Tates Liebe zu seinem Hund erwähnen. Eine tolle Sache, da sah ich den kleinen Wuschel wirklich vor mir und er hat doch für amüsante Situationen gesorgt.

Der Wettkampf an sich ist spannend (und appetitanregend), doch der Weg dahin ist ein weiter. Das Buch kommt sehr langsam in Gang. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass die Autorin bei diesem Werk eher etwas ratlos war und die Ideen nicht so flossen wie bei anderen Büchern. Weder die Geschichte noch die Beziehung kommen sonderlich schnell in Gang. Und da ein Liebesroman vom Prickeln und einer Liebesgeschichte lebt, fehlt hier eindeutig Leben. Gerade der Teil mit der Liebe wird erst im letzten Drittel so richtig interessant, davor sind es zwei Gegner, die sich ähneln, aber eben nicht ganz grün sind. Bei dem Wettkampf lernen sie sich kennen und empfinden Sympathie. Es ist einfach nicht so schön prickelnd, und tolle ironische Wortgefechte vermisse ich auch. Das Buch bleibt einfach auf voller Linie seicht und flach.
Aber es war wirklich nicht alles schlecht. Mit Liebe gewürzt hat sich dennoch gut gelesen, eine leichte Abwechslung für zwischendurch. Gerade durch die Nebencharaktere hat es dann doch wieder an amüsanten Momenten gewonnen, auch wenn es letztlich nicht geflasht hat.




zur Rezension




Das Buch war nett. Aber ich habe eindeutig schon bessere Liebesromane gelesen. Die schönen Momente kamen bei mir durch die Interaktion mit den anderen Charakteren, nicht durch die Liebesgeschichte. Einer von Mary Kay Andrews schwächsten Romanen.






Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Dienstag, 26. Januar 2016

[Cosplay] Und 2016?

Was mache ich 2016? Wie kriege ich das Cosplay unter? Das waren Fragen, die ich mir letztes Jahr gestellt habe.
Da dieses Jahr ja meine Abschlussprüfungen anstehen und ich der Zukunft noch ungewiss, aber freudig entgegen sehe, war da die Frage, ob ich überhaupt planen soll oder nicht. Doch ich kann einfach nicht widerstehen. Ein Kostüm ist fest geplant und ein Kostüm vielleicht, mal schauen, was da so kommen mag.

Und weil ich dieses Jahr einen Charakter gewählt habe, von dem ich zu 100% sicher bin, dass ihn so ziemlich jeder von euch kennt, stelle ich meinen Plan nicht einfach nur so vor. Vielleicht hat der ein oder andere ja eine Idee und errät, wen ich dieses Jahr darstellen will.
Also, hier ein paar Tipps für euch:

  • Mein Charakter ist aus einer klassischen Kinderserie.
  • Mein Charakter ist eine kleine Blondine.
  • Ein bestimmtes Essen spielt auch eine Rolle, aber nicht als Essen.
  • "Maaaaami!"
  • Früher hat man das auf Kassetten im Auto hoch und runter gehört.
  • Mittlerweile gibt es auch Realfilme davon.

Na, sagt einem von euch das was? Und wenn nicht, die Auflösung folgt dann nächste Woche ;)

Ich freue mich schon auf das Cosplayjahr 2016 und die Überraschungen, die es für mich bereit halten wird. 

Sonntag, 24. Januar 2016

[Take a look] Nostalgiealarm

Hallo ihr Lieben,

heute lade ich euch zu einem Blick auf mein spezielles Wochenendprojekt ein. Seit Ewigkeiten standen auf meinem Kleiderschrank eine Menge Bücher - und ich kann euch sagen, auf so einem Kleiderschrank haben ganz schön viele Bücher Platz. Nun wollte ich diese Bücher sortieren und dabei in ein Bücherregal umsortieren, zumindest die, die noch bleiben sollen. Denn ein großes Problem an so einem Kleiderschrank und einer nicht sehr großen Chimiko: ohne Leiter geht nichts. Daher blieben die Bücher dort liegen und es passierte nichts mit ihnen, außer dass sie Staub ansetzten.
Das hat sich dieses Wochenende geändert. Ein paar Sachen habe ich aussortiert, viele Dinge habe ich allerdings voller Nostalgie und der Freude eines kleinen Kindes "wieder gefunden".
Und ihr begleitet mich jetzt auf meiner Entdeckungstour!

Zuerst waren da meine Knickerbockerbanden-Bücher. Die waren immer ganz vorne und daher keine so große Überraschung. Dennoch habe ich sofort den Wunsch verspürt, die Bücher dort oben zu lassen und lieber zu lesen!


Ich sammel die Bücher übrigens auch heute noch. Wenn ich zwischendurch mal über eines stolpere, dann kommt das in der Regel mit.
Direkt dahinter hat sich eine Reihe versteckt, die ich unglaublich gerne gelesen haben: Die Dolly-Bücher. Wer von euch kennt Dolly auch? Das hat meinen Lesewunsch genauso geweckt. Ich konnte kaum widerstehen, aber es haben noch so viele weitere Bücher gewartet!


Zum Beispiel der riesige Hanni-und-Nanni-Sammelband. Noch heute empfinde ich ganz viel Liebe für diese Reihe und ich erinnere mich so genau, wie ich dieses riesige Geschenk unter dem Weihnachtsbaum meiner Oma ausgepackt habe. Das Weihnachtsfest habe ich dann natürlich lesend verbracht.


Aber auch der Sissi-Band kam zum Vorschein. Das war eines dieser Bücher, bei denen ich einfach nicht mehr wusste, dass ich sie besitze! Das war die reinste Schatzfinderei (keine Suche, ich habe ja nur gefunden, aber nicht gesucht!). Und Heidi... da war ich dann nur "OMG!" - Meine Mutter kam besorgt reingelaufen, aber mir ging es gut, sogar ziemlich gut!


Erich Kästner hatte ich auch verdrängt. Im Rahmen meiner Klassiker-Aktion wollte ich ja mal wieder was von ihm lesen, aber diese wunderbaren Kästner-für-Kinder-Bände hatte ich gar nicht auf dem Schirm! Ich bin begeistert. Und spätestens nach dieser Entdeckung wusste ich nicht mehr, was ich denn lesen soll. Einfach alles am Liebsten. Schenkt mir jemand die Zeit dafür?
Ein weiteres Highlight, was dort oben zutage trat, waren die 5 Freunde. Hand aufs Herz, Leute. Die kennt doch jeder von uns, ob Männlein oder Weiblein, oder? Allgemein muss ich einfach mal meine Liebe für Enid Blyton ansprechen. Diese Bücher haben meine Jugend wirklich geprägt und ich würde sie nie hergeben!


Doch auch Lise Gast und ihre Bücher habe ich geliebt. Für einen Moment habe ich überlegt, sie an ein pferdebegeistertes Kind zu verschenken, doch... ich kann es nicht! Ich verleihe sie gerne, aber hergeben werde ich Lise Gast nicht.


Und dann, ganz am Schluss, kam mein Highlight: Die Nesthäkchen-Bücher. Das war die Reihe, wo der Überraschungseffekt am Größten war. Natürlich, Nesthäkchen, Annemie, Lotte. Ich habe die Bücher verschlungen und dann kommen sie da oben zum Vorschein! Einfach unglaubliches Glücksgefühl.






Band 1 fehlt auf dem Bild, denn das war das Buch, das ich letztlich gelesen habe!


Ich bin so glücklich, dass die Bücher jetzt alle in Reichweite sind, auch für mich als Zwerg. Weggeben würde ich sie niemals. Aber auch nie wieder so verstecken und zurückhalten. Es sind lebendige Erinnerungen und es sind die Bücher, die meine Liebe zum geschriebenen Wort geprägt haben.


Habt ihr auch so Reihen und Bücher? Bücher, die euch nostalgisch werden lassen und in eine andere Zeit zurückversetzen?
Und ja, Harry Potter ist hier nicht dabei, aber den zähle ich natürlich dazu!

Samstag, 23. Januar 2016

[Rezension] Worte in meiner Hand - Guinevere Glasfurd





Titel: Worte in meiner Hand
Autor: Guinevere Glasfurd
Original: The Words in my Hand
Aus dem Englischen: Marion Balkenhol
Verlag: List
Erschienen: August 2015
ISBN: 978-3-471-35123-9
Preis: 18,00€
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Guinevere Glasfurd ist im bergigen Norden Englands aufgewachsen, doch jetzt lebt sie in einer der flachsten Gegenden der Welt, am Rand der Fens nahe Cambridge, gemeinsam mit Ehemann, Tochter und zwei Katzen. Die Arbeit an "Worte in meiner Hand" ist vom Arts Council England gefördert worden. Guinevere Glasfurds Texte sind immer wieder ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem TLC's Pen Factor Award. Mehr auf der Website guinevereglasfurd.com.







Amsterdam, 1630er Jahre. Helena Jans van der Strom arbeitet als Magd bei einem Buchhändler. Ein großes Glück für sie, denn sie kann lesen und schreiben und geht mit offenen Augen durch die Welt. Der neue Hausgast ihres Herrn fasziniert sie: Er arbeitet ununterbrochen, und Helena ist angewiesen, ihn „Monsieur“ zu nennen. Der Fremde zieht viele Besucher an, und sie erfährt seinen echten Namen: René Descartes. Sie ist zu neugierig, um Distanz zu wahren. Und auch Descartes ist schon bald von ihrem Charme und Wissensdurst eingenommen. Sie verlieben sich, was unmöglich ist: Sie ist Calvinistin, er Katholik. Sie ist nur eine einfache Magd, er Europas aufstrebender Philosoph. Die beiden sind zwei kühne, mitreißende Geister, die sich von dem Standesdünkel des Goldenen Zeitalters in Holland nicht aufhalten lassen.


Ich drehte mich im Raum um mich selbst, vollzog den kleinsten Kreis.







Ich bin verliebt. Ich bin verliebt in dieses Buch, in die Geschichte, in die Figuren, in die Sprache. Guinevere Glasfurd hat mich wirklich verzaubert. Schon als ich las, dass es um Descartes geht und eine junge holländische Magd war ich neugierig, denn ich habe ein sehr ausgeprägtes Faible für Geschichte, die auf historischen Gegebenheiten basieren. Und dann noch Descartes? Eine wirklich faszinierende und doch schon geniale Persönlichkeit? Hallo, Worte in meiner Hand, dann sagte ich mir gleich: Herzlich Willkommen in meinem Bücherregal.
Doch ganz von vorne: Worum geht es hier? Ganz klar, um die Beziehung zwischen Helena, ein junger Magd, und Descartes, dem Hausgast ihres Herrn. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht bei Descartes, sondern eben bei Helena. Sie ist jung, sie ist klug und kann tatsächlich lesen, zu dieser Zeit eine Seltenheit bei Frauen. Doch natürlich kann sie ihre Fähigkeiten nicht umsetzen, daher arbeitet sie als Magd bei einem Buchhändler und verstärkt und vertieft dort ihre Liebe zu den Worten, ob geschrieben oder gesprochen. Und dann kommt er, René Descartes, und mit ihm viele neue Worte, die Helena verzaubern und deren Klang sie verführen. Damit beginnt ihre gemeinsame Geschichte, aus der schließlich auch ein Kind entsteht, die kleine Francine, welche die beiden nun miteinander verbindet.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, hier gibt es so viele wunderbare Momente, von denen ich euch vorschwärmen könnte! Also fang ich mit dem Offensichtlichsten an, der Geschichte an sich. Es ist historisch belegt, dass Francine Descartes' Tochter war. Und auch seine Verbindung zu Helena lässt sich mehrmal nachvollziehen. Doch natürlich gibt es keine Dokument über sie, über ihre Persönlichkeit, über ihre Geschichte, von daher konnte die Autorin hier diese Lücke nur selbst füllen. Und das ist ihr gelungen. Helena ist eine Frau, die ihrer Zeit voraus ist, die Betje, einer Freundin, das Lesen beibringt, die Stärke zeigt und ihren Weg macht. Die Helena, die von Guinevere Glasfurd erschaffen wurde, hat mich berührt und ich habe mit ihr mitgelebt. Es war einfach wundervoll, ihre Faszination für Bücher und Wörter zu teilen und diese fast schon kindlichen Erfahrungen mitzuerleben. Helena hat mich als Figur wirklich gefesselt, ich wollte ihre Entwicklung einfach teilen.
Descartes erscheint mir in seiner Genialität manchmal fast schon schüchtern und unbeholfen und nicht zu einer normalen Beziehung zu seinen Mitmenschen fähig. Er wird nicht als der Einzelgänger dargestellt, wie in anderer Literatur, aber eben auch nicht als salonfähig und total perfekter Gentleman. Er ist eigen, aber darin sympathisch.
Die Beziehung zwischen den beiden entsteht nicht von heute auf morgen, sie entwickelt sich. Die Töne zwischen ihnen sind erst leise und zart und voller klangvoller Worte, bis sie wirklich körperlich wird und eine doch schwerwiegende Folge mit sich bringt. Das heißt jedoch nicht, dass diese zwischenmenschliche Beziehung Helena/Descartes mit der Zeit abflaut oder langweilig wird, nein, ganz im Gegenteil. Die beiden verändern sich, es wird ernster, mit weniger Worten und Magie, aber dennoch genauso lesenswert.
Ihr merkt, dieses Buch ist einfach Liebe zwischen zwei Buchdeckel gedruckt. Zumindest bei mir. Das liegt überwiegend auch an der Sprache. Diese passt perfekt hierzu und gibt die ganze Geschichte so perfekt wieder. Ich war in den ersten Satz verliebt und bin es in den letzten. Es ist ein Stil, den ich fast schon als zart bezeichnen würde, der aber die Liebe zum Wort in sich trägt und zum Leser trägt. Ich bin einfach verzaubert.






Es war und ist einfach Liebe. Wer ein leises Buch mit schönen Klängen rund um die Magie der Worte und des Schreibens lesen will, sollte hier unbedingt zugreifen. Ich kann es kaum erwarten, noch einmal in die Welt zu versinken.








Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Donnerstag, 21. Januar 2016

[Rezension] Mrs Bradshaws höchst nützliches Handbuch - Terry Pratchett





Titel: Mrs Bradshaws höchst nützliches Handbuch für alle Strecken der hygienischen Eisenbahn Ankh-Morpork und Sto-Ebene
Autor: Terry Pratchett
Original: Mrs Bradshaw's Handbook to travelling upon the Ankh-Morpork & Sto Plains Hygienic Railway
Aus dem Englischen: Gerald Jung
Verlag: Manhattan
Erschienen: 05.10.2015
ISBN: 978-3-442-54764-7
Preis: 12,99€
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Terry Pratchett, geboren 1948, gilt als einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Von seinen mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Romanen wurden weltweit bisher über 80 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 38 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde ihm sogar die Ritterwürde verliehen. Terry Pratchett starb im März 2015.










Niemand sollte unvorbereitet durch die Scheibenwelt reisen. Daher gehört Mrs Georgina Bradshaws äußerst nützliches Handbuch ins Gepäck aller, die mit der Hygienischen Eisenbahn die Ziele und Umwege entlang der Strecken von Ankh-Morpork und der Sto-Ebene ansteuern. Auch wenn sie sich vielleicht nur in Gedanken auf dieses Abenteuer begeben wollen ...

Durchgehend illustriert und mit allerlei nützlichen Informationen versehen – beispielsweise zu Übernachtungsmöglichkeiten oder empfehlenswerten Restaurants – schickt dieser Reiseführer Touristen wie Einheimische auf große Entdeckungsfahrt.


Liebe Leser, seit dem Ableben meines geliebten Gatten Archibald hatte ich, den Göttern sei's geklagt, mit einem Male viel freie Zeit zur Verfügung.







Mrs Bradshaws höchst nützliches Handbuch stellt eine wunderbare kleine Ergänzung zu der großartigen Scheibenwelt dar. Darin erzählt uns die verwitwete Mrs. Bradshaw von den Reisen mit hygienischen Eisenbahn, gibt Tipps, wo man gut essen und übernachten kann oder welche Orte besonders sehenswert sind und beschreibt sehr lebendig die Reise mit der Bahn. Mrs Bradshaw ist zwar eine echte Dame, scheut sich aber nicht, auch mal die "Holzklasse" der hygienischen Eisenbahn zu testen. Und durch ihre großzügig bemessene Freizeit hat sie einige Erfahrungen gesammelt. Geschmückt wird das Ganze mit Werbeanzeigen (Gimlet von Gimlets Gesundes Schlämmen), Warnhinweisen, Gebietskarten sowie Briefe zu verschiedenen Erschließungsmomenten der Bahnstrecken. Außerdem gibt Mrs Bradshaw auch genaue Informationen zu den Orten, die auf unterschiedlichen Strecken bereist werden können - von der Einwohnerzahl über die Unterkunftsmöglichkeiten bis hin zu der Info, ob sich dort eine Klackerstation oder ein Postamt befindet. Und wer genauere Informationen zu den Hotels und Gaststätten möchte, ist am Ende des Kapitels gut aufgehoben, wo alles noch mal in Kürze zusammengefasst wird. Ich fühle mich nach der Lektüre dieses Handbuchs sehr gut auf eine Reise mit der Hygienischen Eisenbahn vorbereitet.

Die Aufarbeitung in Form eines alten Reiseführers ist den Machern wirklich hervorragend gelungen. Der leicht nostalgische Touch passt hervorragend zu der Tatsache, dass die Hygienische Eisenbahn auf der Scheibenwelt erst ihre Anfänge gefunden hat. Hinzu kommen die wirklich wundervollen Zeichnungen. Diese überzeugen mit ihrer Detailverliebtheit und natürlich dem Humor. Schön fand ich auch, dass man immer mal wieder Abbildungen von Fahrkarten oder ähnlichem untergebracht hat. Der Knaller sind jedoch die Werbeanzeigen, die wie immer sehr witzig und fantasievoll gestaltet sind. Die haben mir an dem gesamten Werk wohl wirklich die größte Freude bereitet.
Mrs Bradshaw ist eine Dame, eine Witwe, dementsprechend ist der hier gewählte Stil natürlich etwas gediegener. Ein bisschen fehlt mir der charmante Witz aus den anderen Büchern, doch hier wäre er im üblichen Stil natürlich angebracht gewesen. Dafür finde ich den Tonfalls von Mrs Bradshaw perfekt für das, was dargestellt werden soll. Ich hatte direkt ein Bild vor Augen, graue Löckchen, wacher Blick und - fragt mich nicht warum - einer lila Strickjacke. Tatsächlich habe ich nämlich gelesen, bevor mir das Bild gleich am Anfang aufgefallen ist, und ich finde, so schlecht habe ich das gar nicht getroffen. Aber ich war so begierig, das Buch zu lesen, dass ich einfach nur in den Text rein bin.
Man bekommt hier doch noch einmal einen anderen Blick auf die Scheibenwelt und so manche Städte konnte ich durch die Karten in dem Buch erst richtig geographisch einordnen. Und es gibt nach der Lektüre doch Orte, die ich jetzt gerne besuchen würde. Oder vielleicht sogar eine Rundtour?
Ich bin jemand, der gerne mit unserer Eisenbahn fährt (das glaubt man angesichts der Verspätungen und Preise kaum, oder?) und daher ist das Buch für mich natürlich eine tolle Sache. Dazu noch die nostalgischen Momente... Ich freue mich auf meine nächste Bahnfahrt und werde sie sicher genießen - allerdings hoffe ich, dass die Heizung funktioniert.







Mrs Bradshaws Handbuch ist sicher ein Muss für den Terry-Pratchett-Fan, der sich mithilfe der Hygienischen Eisenbahn mal in der Scheibenwelt orientieren will. Auch die Gestaltung mit den Zeichnungen und die Nostalgiemomente machen das Buch definitiv lesenswert. Ich muss jedoch sagen, dass mir etwas Biss und Pfiff gefehlt hat. Dennoch eine absolute Empfehlung!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt