Montag, 24. Oktober 2016

[Rezension] Der Baron auf den Bäumen - Italo Calvino





Titel: Der Baron auf den Bäumen
Autor:  Italo Calvino
Original: Il barone rampante
Aus dem Italienischen: Oswalt von Nostitz
Verlag: S. Fischer
Erschienen: 1957
ISBN:  978-3-596-90441-9
Preis: 9,99€

 
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Italo Calvino, am 15. Oktober 1923 in Santiago de las Vegas auf Kuba geboren, wuchs in San Remo auf. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor des Verlages Einaudi und als Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in alle Weltsprachen übersetzt. Italo Calvino starb am 19. September 1985 in Siena.









Am 15 Juni 1767 beschließt der zwölfjährige Baron Cosimo Piovasco di Rondò, das dekadente Milieu seiner aristokratischen Familie zu verlassen, um fortan auf den Bäumen zu leben. Er erhebt sich von der Familientafel, klettert auf eine Steineiche und wird bis zu seinem Tod die Erde nicht mehr betreten.

Es war der 15. Juni 1767, als Cosimo Piovasco di Rondò, mein Bruder, zum letzten Mal in unserer Mitte saß.






Als ich mir überlegte, welche Bücher ich im Jahr der Klassiker lesen könnte, war mir relativ schnell klar, dass ein Buch von Calvino unbedingt dazu muss. Und dann fiel die Entscheidung ähnlich schnell auf Der Baron auf den Bäumen. Es war die richtige Entscheidung. Auf einer Seite wirkt diese Idee so fantastisch und unglaublich, aber beim Lesen stellt man wirklich fest, wie bodenständig die Geschichte dahinter ist.
Mit zwölf Jahren entschließt sich der junge Baron Cosimo dazu, fortan sein Leben auf Bäumen zu verbringen. Er entflieht somit ein strengen Etiketten und zerstreuten Eltern. Erzählt wird das Ganze von seinem jüngeren Bruder, der aber trotzdem ein allwissender Erzähler ist. Ich bin einfach nach wie vor fasziniert von dieser Idee, nur auf Bäumen zu leben, dort sein ganzes Leben zu verbringen. Und zugleich davon, dass in der Zeit Cosimos so viele Bäume waren, dass er unendlich weit durch die Gegend streifen konnte, ohne die hohen Wipfel zu verlassen. Das hat mich während des Lesens immer wieder berührt, denn wenn ich mir vorstelle, wie wunderbar waldig die Welt damals war und heute... Das war übrigens auch der Grund, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe, denn ich finde Bäume wunderbar und... wunderbar. Und beim Lesen hatte ich manchmal das Bedürfnis, auch mal wieder auf einen Baum zu klettern und die Welt aus dieser Sicht zu erleben. Aber meine Schwärmerei für Bäume und Wälder hat nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun.
Stellt euch mal vor, euer zwölf Jahre altes Kind entschließt sich, jetzt auf Bäumen zu leben und die Erde nie wieder zu betreten. Dem würdet ihr doch was husten und es möglichst schnell wieder runter bringen, oder? Hier passiert das nicht und Cosimo verbringt schließlich sein gesamtes Leben auf den Bäumen. Da fragt man sich doch wirklich, was ihn dazu bewogen hat, für immer Mutter Erde zu verlassen. Dieses Buch beinhaltet so viele Interpretationsmöglichkeiten... so viele Gedanken und Ideen und auch Inspirationen... ich könnte euch meine in aller Ausführlichkeit darlegen, aber wenn ihr dieses Buch lest, werdet ihr vielleicht etwas ganz anderes herauslesen.
Beeindruckt hat mich auch die Leichtigkeit der Geschichte. Sie hat zum Teil den Anschein eines Jugendbuches, dann eines Abenteuerromans, ist aber zugleich eine komplette Lebensgeschichte. Es ist amüsant, hat Witz, Spannung, Wendungen und zugleich philosophische Momente.
Ich sage es mal so: Selten fiel es mir so schwer, all meine Gedanke in Worte zu fassen, denn es sind so unglaublich viele! Dabei ist es jetzt doch schon etwas her seit der Lektüre.






Cosimos Leben hat mich wirklich berührt, in vielerlei Hinsicht. Und Italo Calvino hat einfach einen perfekten und phantastischen Roman geschrieben, den ich euch unbedingt ans Herz legen möchte. Vielleicht dauert es einen Moment, bis ihr euch eingelesen habt, aber es lohnt sich.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Kommentare:

  1. Davon habe ich noch nie gehört und es klingt sehr seltsam. :D Das behalte ich auf jeden Fall im Hinterkopf.

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  2. Auch für mich eine Bildungslücke, muss ich zugeben. Obwohl ich mich mit italienischen Klassikern eigentlich gut auskenne - hier musste ich passen. Um so schöner, hier eine schöne Rezension zu lesen, an der man sich orientieren kann. Fühle mich dadurch so positiv bestärkt, dass der "Baron" es auf meine Wunschliste schafft.
    Danke und liebe Grüße
    Jürgen

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