Freitag, 25. Dezember 2015

[Rezension] Und du bist nicht zurückgekommen - Marceline Loridan-Ivens






Titel: Und du bist nicht zurückgekommen
Autor: Marceline Loridan-Ivens mit Judith Perrignon
Original: Et tu n'es pas revenu 
Aus dem Französischen: Eva Moldenhauer
Verlag: Insel
Erschienen: Septemer 2015
ISBN: 978-3-458-17660-2
Preis: 15,00€
Leseprobe
 













Marceline Loridan-Ivens, 1928 als Marceline Rozenberg geboren, wurde im März 1944 mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Sie lebt in Paris.








Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater ins Lager kommt. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird.
Einen Brief, in dem sie das Unaussprechliche zu sagen versucht: Nur drei Kilometer sind sie voneinander entfernt, zwischen ihnen die Gaskammern, der Geruch von brennendem Fleisch, der Hass, die Unausweichlichkeit der eigenen Verrohung, die ständige Ungewissheit, was geschieht mit dem anderen? Einmal gelingt es dem Vater, ihr eine kleine Botschaft auf einem Zettel zu übermitteln. Aber sie vergisst die Worte sofort – und wird ein Leben lang versuchen, die zerbrochene Erinnerung wieder zusammenzufügen.
Marceline Loridan-Ivens schreibt über diese Ereignisse und über ihre unmögliche Heimkehr, sie schreibt über ihr Leben nach dem Tod, das gebrochene Weiterleben in einer Welt, die nichts von dem hören will, was sie erfahren und erlitten hat. Und über das allmähliche Gewahrwerden, dass die Familie ihren Vater dringender gebraucht hätte als sie: »Mein Leben gegen deines.«


Ich bin ein fröhlicher Mensch gewesen, weißt du, trotz allem, was uns widerfahren ist.







Es gibt Bücher, da ist eine Bewertung nicht gerechtfertigt, es gibt Bücher, die sollten keine Bewertung erhalten, und aus diesem Grund fällt meine Bewertung hier weg. Denn Und du bist nicht zurückgekommen ist ein Kleinod, ein Brief, ein wahres Herzensbuch, dessen Wert man nicht in schnöde Bewertungszahlen fassen kann.
Auf etwas über 100 Seiten schreibt Marceline Loridan-Ivens einen Brief an ihren Vater. Ihren Vater, der mit ihr zusammen deportiert wurde, der ihr sagte, sie würde zurückkommen, aber er nicht. Und der diese Prophezeiung war gemacht hat. Die Worte sind nicht beschönigend, sie sind ehrlich und sie gehen zu Herzen. Es ist wichtig, dass es Bücher wie dieses gibt, um uns zu erinnern.
Eigentlich haben wir hier "nur" einen Brief. Einen Brief der 86jährigen Marceline an ihren Vater, den sie damals verloren hat, der eben nie zurückkam. Sie schreibt an ihn, wie ihre Zeit im Lager war, was sie empfunden hat, welche Fragen sie sich stellt und was danach passiert ist. Sie lässt einen so nah an ihre Geschichte heran, ohne dass dieses kleine Werk emotional überladen wäre, ganz im Gegenteil. Und trotzdem... ich bin gerade nicht in der Lage, ein Buch da direkt hinterher zu lesen, denn dieser Brief braucht Zeit. Und im Gegensatz zur Verfasserin fehlen mir gerade die Worte, denn dieses Kleinod hat mich wirklich berührt.
Man muss sagen, dass Marceline Loridan-Ivens einen tatsächlich schlicht und einfach schön schreibt, anders kann ich es nicht ausdrücken. Es ist ein literarischer Brief und - wie bereits erwähnt - ist er berührend offen. Schonungslos offen, so dass man auch von ihrer Abgebrühtheit gegenüber dem Tod in den Lager erfährt, ohne dass Verzweiflung oder Emotionen überhand nehmen. Ich denke, das ist genau das, was mich so sprachlos macht und so bewegt zurück lässt. Dass man die Liebe zu ihrem Vater spürt, er aber dennoch keinen Thron inne hat, sie sich auch an Streitereien und ähnliches erinnert. Dass es diese Offenheit, diese Ehrlichkeit gegenüber sich selbst auch ist, die mich als Leserin unglaublich fasziniert und berührt hat.








Was soll ich noch groß sagen? Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung und ein genauso absolutes Herzensbuch. Es ist nicht lang und es ist hier schon alles gesagt, also... bitte, lest dieses Buch und hoffentlich lässt es euch genauso nachdenklich und bewegt wie mich zurück.

Kommentare:

  1. Mich hat das Buch nicht ganz so sehr berührt wie andere Bücher über den Holocaust, aber es ist auf jeden Fall ein weiteres wichtiges Zeugnis von dieser schlimmen Zeit. Ich finde es auch immer blöd, solche Bücher mit Sternen zu bewerten, leider lässt es sich auf den gängigen Portalen nicht vermeiden. Ich vergebe dann eigentlich immer die volle Punktezahl als Kompromiss. LG, Bianca

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  2. Das muss auf die Wunschliste. Habe ich noch nie gehört. Danke für die Rezension!

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  3. Wunderbar, ein wirklich klasse Eintrag <3

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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