Montag, 26. Oktober 2015

[Rezension] Kennen Sie diesen Mann? - Carl Frode Tiller





Titel: Kennen Sie diesen Mann?
Autor: Carl Frode Tiller
Original: Innsirkling
Aus dem Norwegischen: Ina Kronenberger
Verlag: btb
Erschienen: August 2015
ISBN: 978-3-442-75616-2
Preis: 19,99€
Leseprobe
 
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Autor

Carl Frode Tiller, geboren 1970, ist ein norwegischer Autor, Historiker, Musiker und Komponist. Er gilt als Meister der psychologischen Zwischentöne. Seine Romane sind vielfach preisgekrönt und in 16 Sprachen übersetzt.

Inhalt

David hat sein Gedächtnis verloren. Er weiß nicht mehr, wer er ist. In einer Zeitungsanzeige fordert er Verwandte und Bekannte auf, ihm einen Brief zu schreiben, um ihm seine Erinnerungen zurückzugeben. Und er bekommt Antworten auf seine Fragen. Aber will er die wirklich hören? Denn sie sind ganz unterschiedlicher Art und nicht immer schön. Sein Jugendfreund Jon, ein Musiker, der gerade den Halt zu verlieren scheint, meldet sich. Sein Stiefvater Arvid, ein Pfarrer, der auf den Tod wartet. Und seine Jugendliebe Silje, eine Frau mittleren Alters, die möglicherweise gerade im Begriff ist, aus ihrer Ehe auszusteigen. Die Briefe geben ihnen allen die unerwartete Chance, von ihrem eigenen Leben zu erzählen, während sie zugleich Davids Geschichte einkreisen. Aber wer ist David wirklich?

Erster Satz

Wir fahren langsam ins Zentrum, falls man hier überhaupt von einem "Zentrum" sprechen kann, ein kleiner Verkehrskreisel mit ein paar Häusern drum herum.

Meine Meinung

Hier liegt für mich leider ein klarer Fall von Verspricht-mehr-als-es-hält. Die Inhaltsangabe fand ich so super spannend und es hat mich richtig neugierig gemacht. So weit so gut: Beim Lesen jedoch war ich leider eben nicht so hin und weg. Kennen Sie diesen Mann? ist durchaus ein mehr als solider Roman, der auch auf einem interessanten Grundgedanken aufbaut, doch der Funke sprang einfach nicht ganz über.
Beim Lesen war es immer wieder so ein Gefühl, dass etwas fehlt und das war einfach David. David ist prinzipiell das Zentrum der Geschichte, ohne darin vorzukommen. Ich muss jetzt allerdings eins sagen: Ich hatte erwartet, dass David zumindest teilweise auftauchen wird und die Briefe, die an ihn geschrieben werden, durch ihn ausgewertet werden. Aber es sind tatsächlich nur Arvid, Silje und Jon, die uns David beschreiben und die ihn für den Leser auferstehen lassen.
Das hat durchaus seinen Charme, wenn man den Protagonisten nur durch die Augen der anderen kennen lernt. Bis ich allerdings das Prinzip richtig verstanden hatte, habe ich eine Weile gebraucht. Irgendwie habe ich immer auf einen persönlichen Kommentar Davids gewartet. Das Buch ist jedoch einfach nur dreigeteilt mit den drei Briefeschreibern. Beim zweiten Kapitel hat dann auch die etwas langsame Chimiko endlich verstanden, was hier gespielt wird.
Wer David ist, davon muss sich jeder sein eigenes Bild machen. Er ist komplex und ich finde, dass man ihn äußerst subjektiv betrachten kann, obwohl er ja selbst nicht auftritt.
Die drei anderen Protagonisten sind allesamt... gekennzeichnet vom Leben. Ich muss aber gleich sagen, dass ich Siljes Briefe etwas schräg und nicht ganz so zusammenhängend fand. Im Vergleich zu den anderen beiden wirkt sie etwas farbloser.
Arvid war wohl tatsächlich der, der mich am meisten beeindruckt hat. Das Beste kommt sozusagen am Schluss. Für mich war er derjenige, der mir das interessanteste und klarste Bild von David gezeichnet hat. Seine Sprache, sein Stil war am Einprägsamsten. Auch Jon war zwar interessant, aber ich fand ihn etwas selbstmitleidig und teilweise auch anstrengend.
Jeder erzählt sozusagen zwei Geschichten, sein Leben und sein Leben mit David. Das ist ein durchaus interessantes Konzept. Und das Ende war dann... ja, es hat mich etwas sprachlos gemacht. Der Gedanke, der da am Ende steht, war sehr überraschend, aber zugleich sehr plausibel. Er lässt einen nachdenken und bietet den perfekten Abschluss für dieses Buch mit seinen teils sehr philosophischen Momenten.

Fazit

Dieses Buch hat durchaus seine faszinierenden Momente. Ich wurde damit nicht warm, weil ich mir einfach etwas anderes vorgestellt hatte. Doch wenn man sich darauf einlässt, ist es definitiv ein großartiges Buch mit einem überragenden Schluss.

Bewertung



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

1 Kommentar:

  1. Hm, also ich muss sagen, nach deiner Rezi interessiert mich das Buch jetzt schon. :)

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