Samstag, 6. Februar 2016

[Rezension] Pjöngjang - Guy Delisle





Titel: Pjöngjang
Autor: Guy Delisle
Original: Pyongyang
Aus dem Französischen: Jochen Schmidt
Handlettering: Dirk Rehm
ISBN: 978-3-938511-31-2
Genre: Graphic Novel
Verlag: Reprodukt
Erschienen: 2007
Preis: 20,00€

 
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Guy Delisle, geboren 1966 in Quebec, hat für viele Zeichentrickfilmstudios in Kanada und Europa gearbeitet und lebt derzeit in Frankreich. Seine autobiografischen Arbeiten “Shenzhen” und “Pjöngjang” nennt die Presse in einem Atemzug mit Marjane Satrapis “Persepolis”.







Nachdem er in “Shenzhen” seinen Aufenthalt in der chinesischen Sonderwirtschaftszone verarbeitet hat, beschreibt Guy Delisle in dem Nachfolgeband “Pjöngjang” seine Reise in eines der isoliertesten Länder der Welt: Nordkorea. Hier arbeitete er zwei Monate lang als Supervisor für eine französische Trickfilmproduktion.
Mit George Orwells Klassiker “1984″ im Gepäck tritt der frankokanadische Comicautor seinen Dienst an in einem Land, in dem man Orwells Albtraumszenario an der Wirklichkeit messen kann. In klaren Zeichnungen berichtet Guy Delisle von Menschen, die nachts von der Stromversorgung abgeschnitten sind, während die Monumente der Kim-Dynastie leuchtend hell erstrahlen. “Pjöngjang” dokumentiert Delisles Versuche, einen Blick hinter staatliche Inszenierung und kulturelle Schranken zu werfen – ein Comic, der angesichts der politischen Entwicklungen an Aktualität kaum zu übertreffen ist.




Die Leseprobe zu Pjöngjang hatte ich schon ein paar Mal gelesen und immer wieder gedacht: Das willst du mal komplett lesen. Und ich war auch von dem kompletten Werk begeistert.
Der Zeichenstil dieser Graphic Novel ist eher schlicht, die Hintergründe sind ab und an grau hinterlegt, mehr jedoch nicht. Es kommt sogar vor, dass die Figuren vor einem weißen Himmel ohne Wolken mit einer kleinen, kindlich gezeichneten Sonne stehen. Allgemein ist hier also der Fokus auf der Geschichte und nicht auf einer möglichst detailreichen Darstellung. Doch es reicht auch und die Bildsprache ist auch so schon intensiv genug. Die Panel-Gestaltung ist in der Regel schlicht und folgt der klassischen Leserichtung von links nach rechts. Nur selten findet man ein Panel, das über eine ganze Seite geht - das sind dann die stilistischen Ausnahmen.
Pjöngjang ist die Geschichte des Zeichners, der als Supervisor nach Nordkorea geschickt wird. Das ist das Faszinierende an diesem Buch: Man erhält einen Einblick in ein Land, die man so nie erhalten würde. Der Zeichner wird in einem Hotel untergebracht und kann dieses nur mit Dolmetscher und Führer verlassen. Dabei erhält so einige Führungen, die einen zweifeln lassen, das Ganze wirkt selbst gezeichnet so gestellt, dass man das kaum der Realität zuschreiben kann. Aber es ist so geschehen, alles so gezeichnet, wie die Notizen von Guy Delisle aus dieser Zeit wiedergegeben haben.
Die Geschichte wirkt düster, bedrückt und beengt, was auch durch den großzügigen Anteil an dunkle Grautönen in den Zeichnungen bestärkt wird. Der Zeichner hat es geschafft, den nordkoreanischen Überwachungsstaat mit einem sehr trockenen Humor wiederzugeben. Teilweise wusste ich jedoch nicht, ob ich amüsiert oder geschockt sein soll. Manche Szenen wirken so surreal und das Wissen, dass sie jedoch so stattgefunden haben, war einfach schockierend.
Es ist kein Bericht aus der Zeit, es ist ein persönlicher Eindruck über Guy Delisle's Zeit in diesem Land, und das macht diese Graphic Novel eigentlich noch beeindruckender. Ein neutraler Bericht hätte nicht die Absurdität dieser Situation und dieser Momente so wiedergeben können, wie diese Zeichnungen.







Pjöngjang ist eine Graphic Novel, die sehr beeindruckend die absurde und grotekse Situation für Ausländer in Nordkorea darstellt. Manche Momente sind einfach so unfassbar, dass man sie anzweifeln muss. Auch durch den schlichten Stil und viele Grautöne wird das Werk einfach noch einmal verstärkt.



Quellen:
Cover; Autorenvita; Inhalt

Donnerstag, 4. Februar 2016

[Rezension] Die fünfte Welle - Rick Yancey






Titel: Die fünfte Welle
Autor: Rick Yancey
Original: The Fifth Wave
Aus dem Englischen: Thomas Bauer
Verlag: Goldmann
Erschienen: Datum
ISBN: 978-3-442-31334-1
Preis: 16,99€
Leseprobe
 
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Rick Yancey ist ein preisgekrönter Autor, der mit seiner Trilogie »Die fünfte Welle« die internationalen Bestsellerlisten stürmt. Wenn er nicht gerade schreibt, darüber nachdenkt, was er schreiben könnte, oder das Land bereist, um übers Schreiben zu reden, verbringt er seine Zeit am liebsten mit seiner Familie in seiner Heimat Florida.








Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Das hat auch Cassie lernen müssen, denn seit der Ankunft der Anderen hat sie fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Das Wenige, was sie noch besitzt, passt in einen Rucksack. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie, nachdem sie auf der Flucht vor den Anderen angeschossen wurde. Eigentlich weiß sie, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Doch sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält ...


Es wird kein Erwachen geben.







Eine Dystopie, mal wieder, und mal wieder eine richtig gute Dystopie. Ich habe das Buch verschlungen und war vom Ende etwas... enttäuscht. Während mich die Geschichte an sich gut unterhalten hat, ging mir das Ende zu glatt, zu schnell und hat mich irgendwie nicht ganz so überzeugt wie der Rest. Aber vielleicht sollte ich am Anfang beginnen.
In dieser Geschichte sind Außerirdische für den Untergang der Menschheit verantwortlich. Das Konzept von mehreren Wellen fand ich wirklich faszinierend und ich hätte auch gerne mehr über die ersten Wellen gelesen. Wir befinden uns in der Zeit nach der vierten Welle und vor einer möglichen fünften Welle. Mittlerweile sind kaum noch Menschen übrig und es ist besser, man vertraut niemandem, denn man weiß nie, wer in der Haut des Gegenübers steckt. Das hat auch Cassie verinnerlicht. Für eine Jugendliche ist sie ganz schön stark und abgebrüht. Ob das daran liegt, dass sie schon so viel mitgemacht hat... manchmal hätte ich mir aber doch auch noch kindliche Züge gewünscht, denn das ist es, was in Extremsituationen, bzw. eher danach rauskommt. Das Einzige, das in die Richtung geht, ist ihre Schwärmerei für einen Jungen aus ihrer alten Schule. Doch selbst das wirkt mittlerweile eher zynisch. Ich muss gestehen, dass mir da eben noch etwas mehr Tiefe gefehlt hat. Und dann kommt der Moment, wo sie gerettet wird und dieser Person vertraut, obwohl sie vorher so abgelehnt hat, einem anderen Menschen zu vertrauen. Das ging mir zu schnell. Das war natürlich wichtig für die Entwicklung der Geschichte an sich, hat mich aber nicht überzeugt.
Neben Cassie gibt es noch einen männlichen Erzähler, der in einer militärisch anmutenden Grunderziehung steckt. Seinen richtigen Namen erfährt man erst sehr, sehr spät, denn ihm und den anderen Kindern in seiner Einheit werden Fantasienamen verpasst. Bei ihm ist es der Namen Zombie. Sowohl Zombie als auch Cassie erzählen aus der Ich-Perspektive, was auf den Leser natürlich noch eindringlicher wirkt.
Interessanter fand ich eigentlich Zombie und seine Einheit. Es war fesselnd zu lesen, wie die Figuren sich langsam selbst verlieren und immer mehr zu abgerichteten Kämpfern werden, die nicht mehr großartig nachdenken und einfach nur noch machen. Das beginnt mit der Entmenschlichung, indem man ihnen die Namen nimmt. Cassies Geschichte war hingegen die typische Dystopie-Mädel-ist-allein-Story. Da hat mich der andere Teil deutlich mehr fasziniert.
Beide Geschichten beginnen ziemlich... distanziert voneinander. Man hat beim ersten Umbruch das Gefühl, in einer völlig fremde Welt einzutauchen, doch das ändert sich im Laufe des Buches. Irgendwann fangen die Geschichten an, ineinander zu fließen, sich miteinander zu verweben und ganz am Ende hat man das große Gesamte vor Augen. Dementsprechend geht es gegen Ende auch richtig heiß her und wird noch einmal verdammt spannend. Fingernägel knabbern ist da sozusagen angesagt!






Die fünfte Welle ist eine mehr als solide Dystopie, die insbesondere mit dem Teil rund um Zombie und seine Einheit punkten kann. Doch auch Cassie erlebt so einiges, so dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Dienstag, 2. Februar 2016

[Cosplay] Der Rätsels Lösung...

... hatte die liebe Katja ja schon rausgefunden ;) Leider gewinnst du keinen Preis, aber meinen Respekt?!

Aber jetzt nochmal die Auflösung für mein Cosplay-Jahr 2016. Ich schwinge mich auf meinen Besen und sage nur noch eins: "Ene, mene, mei, flieg los, Kartoffelbrei!"
Ganz genau, ich habe mich für Bibi Blocksberg entschieden. Nostalgie pur, oder?

Quelle
Ich freue mich echt darauf. Es ist schlicht, einfach, ein Klassiker (passt doch zu meinem Jahr der Klassiker, oder?) und bringt sicher einen hohen Spaßfaktor. Bibi steht also fest.

Etwas, das ich nicht fest geplant habe, wofür der Stoff aber schon hier ist, ist die Schuluniform von Rei aus Sailor Moon.

Quelle
Nach der klassischen Sailor Mars und Princess Mars fehlt mir die gute Schuluniform noch auf meiner Liste.

Fotograf: alte Freundin
Fotograf: Sayuri Tanaka

Das wird ein super Cosplayjahr. Natürlich habe ich noch viele weitere Wünsche, aber das sind die zwei, die mal so angedacht wären ;)

Montag, 1. Februar 2016

[dJdK] Rückblick Januar und ein Ausblick auf den Februar

Der erste Monat des Jahres ist schon wieder rum, unglaublich, wie schnell das ging. Und somit auch der erste Monat meines Jahr der Klassiker.

http://gochimiko.blogspot.de/2015/12/aktion-2016-das-jahr-der-klassiker.html

Tatsächlich habe mit Gatsby und Sherlock Holmes einige äußerst vergnügliche Stunden verbracht, die ich so nicht mehr missen möchte. Ganz im Gegenteil, gerade bei unserem guten Freund Mr. Holmes habe ich Lust auf noch mehr davon! Ihr könnt euch sicher sein, da wandert noch der ein oder andere Roman in mein Regal.
Und schon nach diesem Monat bin ich gierig auf weitere Klassiker! Ich meine, das sind sie ja nicht ohne Grund, oder? Und ich bin einfach wild darauf, noch mehr zu lesen. Ich sage euch eins, ich hab Lust auf immer mehr und immer mehr. Büchersucht hatte ich ja so oder so schon, da habe ich jetzt die Unterkategorie Klassikersucht entwickelt.
Habt ihr noch Empfehlungen für mich, was ich auf alle Fälle lesen sollte?

Für den Februar hatte ich mir ja mal Heinrich Böll vorgenommen. Die verlorene Ehre der Katharina Blum soll es werden. Und es bleibt dabei! Außerdem habe ich mir mein Bücherregal vorgenommen, denn ich habe da ja noch so einige ungelesene Schätze stehen (welche, könnt ihr HIER nachlesen). Ich liebäugel aktuell mit dem Poe und dem Dostojewski. Und mit dem ganzen Rest! Auf alle Fälle bin ich gespannt, was der Februar so bringt! Ich bin bereit, Klassiker, kommt zu mir!

Sonntag, 31. Januar 2016

[Rezension] Der große Gatsby - F. Scott Fitzgerald

http://gochimiko.blogspot.de/2015/12/aktion-2016-das-jahr-der-klassiker.html





Titel: Der große Gatsby
Autor: F. Scott Fitzgerald
Original: The Great Gatsby
Aus dem Amerikanischen: Bettina Abarbanell
Verlag: Diogenes
Erschienen: 2006
ISBN: 978-3-257-23692-7
Preis: 9,90€

 
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F. Scott Fitzgerald, 1896 in St. Paul (Minnesota) geboren, hatte nach den Studienjahren in Princeton mit 24 Jahren sein Ziel erreicht: Sein erster Roman ›Diesseits vom Paradies‹ machte ihn auf einen Schlag berühmt und reich, mit seiner Frau Zelda stand Fitzgerald im Mittelpunkt von Glanz und Glimmer. ›Der große Gatsby‹, sein heute meistgelesenes Buch, war jedoch ein finanzieller Flop. Alles endete im schrecklichen Kater der Wirtschaftskrise. Alkohol, Zank und Geldprobleme zerstörten die Ehe mit Zelda. Um Geld zu verdienen, ging Fitzgerald 1937 als Drehbuchautor nach Hollywood, wo er 1940 starb.







New York 1922. Auf seinem Anwesen in Long Island gibt Jay Gatsby sagenhafte Feste. Er hofft, mit seinem neuerworbenen Reichtum, mit Swing und Champagner seine verlorene Liebe zurückzugewinnen. Zu spät merkt er, dass er sich von einer romantischen Illusion hat verführen lassen.


Als ich noch jünger und verwundbarer war, gab mein Vater mir einmal einen Rat, der mir bis heute im Kopf herumgeht.






Der große Gatsby war auch immer eines dieser Bücher, bei denen ich mir dachte: Ja, eigentlich wäre das ja schon mal lesenswert. Aber wie es bei diesen Klassikern so ist, man schiebt den Gedanken daran zur Seite und greift dann prompt wieder zu einem aktuelleren Buch. Immerhin sind die Klassiker schon eine Weile da und werden auch noch eine Weile da sein. Aus diesem Grund stand das Buch aber nun angesichts meiner Klassiker-Challenge ganz oben auf meiner Liste, das bot sich ja auch perfekt an, oder?

Die Geschichte ist inhaltlich noch so aktuell wie zur Zeit des Entstehens: Mann verliebt sich, es klappt aus dem ein oder anderen Grund nicht, Frau heiratet einen anderen, Mann verliert sich in Arbeit und schließlich Reichtum und Partys. Gerade heute in einer Zeit, in der die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer ist und es geradezu unvorstellbar große, teure und außergewöhnliche Partys gibt, würde sich Gatsby doch auch ziemlich gut machen, nicht wahr?
Was ich sehr spannend fand, war die Sicht auf die Dinge, denn es nicht der große Jay Gatsby, der den Leser durch das Buch führt. Nein, stattdessen erzählt mit Nick Carraway ein Mann, der auf seine Ehrlichkeit pocht und einen sehr klaren Blick auf die Dinge hat. Das will nicht heißen, dass er neutral erzählt, das kann auch gar nicht sein, solange ein Mensch als Ich-Erzähler gewählt wird, aber seine Beschreibungen zeugen von einer guten Beobachtungsgabe. Als Nachbar in einem kleinen Haus, das an Gatsbys Grundstück grenzt, hat er zum Einen einen guten Posten, hinzu kommt aber auch der familiäre Hintergrund, der ihn für seinen reichen Nachbarn so wichtig macht. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Nick fast schon unauffällig eine wichtige Position in Gatsbys Leben einnimmt. Und eines ist sicher, darüber könnte ich einen Roman schreiben, der vermutlich mehr Seiten als das Buch an sich hätte, also zurück zum Werk.
Neben Gatsby und Nick spielen vor allen Dingen Tom und Daisy Buchanan noch eine große Rolle. Ein Ehepaar mit Kind, Streitereien und Glück im Leben, also von allem etwas. Bis Gatsby sich durch Nick in die Familie bringen lässt, um Daisy wieder zu sehen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, was ich von Daisy halten soll. Sie scheint flatterhaft und nicht sehr intelligent, hat aber auch andere Momente. Sie bleibt mir etwas rätselhaft, aber passt doch sowohl zu ihrem Ehemann als auch zu Gatsby.
Es ist dieses Spiel zwischen den Charakteren, was dieses Buch so lesenswert macht. Und es ist nicht ohne Grund einer der größten Klassiker der Geschichte. Ich bereue fast schon, dass ich es solange nicht gelesen habe, aber besser spät als nie.
Ich muss sagen: Ich fand das Ganze an sich wirklich fantastisch, aber es waren die letzten Seiten, die mich geflasht haben, die mich berührt haben und gefesselt haben. Da übermannten mich irgendwie die Gefühle. Es lohnt sich also wirklich, bis zum Ende zu lesen, denn da kommt man Gatsby noch einmal so viel intensiver näher. Das war es, genau das, was mich diese Seiten hat verschlingen lassen! Die Intensität! Da war ich einfach nur noch gebannt.







Der große Gatsby. In einem kleinen Fazit? Herausragend, nicht ohne Grund ein Klassiker und mit einer unglaublichen Intensität am Ende. Ich war hin und weg. (Und ja, ich habe mich kurz gefasst, doch man könnte noch so viel mehr schreiben!)







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt